Rezensionen

Before Watchmen 3: Comedian

Watchmen, erdacht von Kultautor Alan Moore, war eines der kreativsten und einflußreichsten Superheldencomics aller Zeiten. Fast 3 Jahrzehnte später hat DC Comics beschlossen, dem Meisterwerk mehrere Prequels zu geben, die die Geschichte vor den Ereignissen von Watchmen erzählen sollen, die Alan Moore teilweise detailliert, teilweise nur mit Andeutungen erzählt hat. Moore ist von der neuen Vermarktung seiner Ideen allerdings wenig begeistert.

Für Before Watchmen wurden hochkarätige Zeichner und Autoren verpflichtet, z.B. Darwyn Cooke oder J. Michael Straczynski.

Die Vorgeschichte des Comedians darf Brian Azzarello erzählen, dessen 100 Bullets unvergessen ist. Als Zeichner wurde J.G. Jones (Wanted, Final Crisis) verpflichtet.

Von den Anfängen des jungen Comedian bei den Minuteman, dem ersten Heldenteam im Watchmen-Universum, erzählt Before Watchmen: Minuteman von Darwyn Cooke. Die vorliegende Geschichte indes setzt Mitte der 60er Jahre an. Der Comedian ist härter geworden als in seinen Anfangsjahren, und wird derzeit von der Regierung als Identifikationsfigur beworben, um medienwirksam den Kampf gegen das Verbrechen darzustellen. Edward Blake, wie der Comedian im zivilen Leben heißt, ist sogar mit dem Präsidenten John F. Kennedy befreundet, und geht in dessen Haus ein und aus.

Doch das Attentat von Dallas verändert eine ganze Nation, und auch den Comedian. Er wird noch zynischer und abgestumpfter als er es eh schon war. Doch diese Gefühle kann er gut gebrauchen, denn die USA ziehen in den Kampf gegen den Kommunismus – der Vietnamkrieg läuft an. Klar, daß man auch da Interesse an einer Identifikationsfigur, einem Helden an der Front hat. Und so setzt sich die Entwicklung von Edward Blake fort. Der Junge, der einst in einem bunten Clownskostüm gekämpft hatte, bekommt zu seinem neuen Kostüm, welches die amerikanische Flagge ziert, nun auch noch einen Kampfhelm. Schnell wird klar, daß Blake nicht nur zur Steigerung der Moral der Truppen da ist, sondern das das Töten und Zerstören ihm einen vollkommen neuen Kick gibt…

Fazit:
Brian Azzarello hat die Ideen, die Alan Moore für die Vorgeschichte des Comedian hatte, sinnvoll aufgenommen, und mit bekannten Ereignissen und Personen der 60er Jahre verknüpft. So trifft Edward Blake nicht nur auf die Kennedy-Brüder und Jackie Kennedy, sondern auch auf Muhamed Ali oder Marylin Monroe. Dabei geht  Azzarello sehr behutsam mit den historischen Figuren und Ereignissen um, so daß das ganze nicht albern wirkt, sondern eher wie ein Politthriller.

Sehr dankbar bin ich, daß der Autor nicht in die Falle getreten ist, den Comedian wie den Punisher zu schreiben. Parallelen wie der Dienst in Vietnam und die Freude am Töten sind ja nicht von der Hand zu weisen, doch sind Edward Blakes Motive völlig anders, wie man spätestens bei seiner Heimkehr in die USA erkennt. Und so sind die Veränderungen des Comedian sinnbildlich für die Veränderungen der USA in den 60er Jahren zu sehen.

Die Zeichnungen von J.G. Jones passen zu der harten, realen Story vom Comedian sehr gut und er belegt eindrucksvoll, daß er nicht nur Actionszenen, sondern auch die ruhigen Gesprächsmomente darstellen kann. Eine gute Wahl, die hier getroffen wurde.

Immer wieder hilfreich sind die redaktionellen Anmerkungen, hier von Christian Heiß, der die die Vorgeschichte aus Minuteman, die Inspiration Moores zur Figur des Comedian und die in der Geschichte vorkommenden Lieder erläutert. Schön wäre noch eine kleine Übersicht der historischen Figuren gewesen.

Insgesamt eine lesenswerte, interessante Erweiterung zum Watchmen-Universum, die neue Facetten zur Figur des Comedian aufzeigt, ohne den die Ereignisse in Watchmen gar nicht erst ins Rollen gekommen wären.

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