Rezensionen

Before Watchmen 4: Nite Owl

Watchmen, erdacht von Kultautor Alan Moore, war eines der kreativsten und einflußreichsten Superheldencomics aller Zeiten. Fast 3 Jahrzehnte später hat DC Comics beschlossen, dem Meisterwerk mehrere Prequels zu geben, die die Geschichte vor den Ereignissen von Watchmen erzählen sollen, die Alan Moore teilweise detailliert, teilweise nur mit Andeutungen erzählt hat. Moore ist von der neuen Vermarktung seiner Ideen allerdings wenig begeistert. Für Before Watchmen wurden hochkarätige Zeichner und Autoren verpflichtet, z.B. Darwyn Cooke oder Brian Azzarello.

Die Vorgeschichte des zweiten Nite Owl Daniel Dreiberg wird von J. Michael Strcazynski erzählt, dessen Beiträge zu den Serien Superman, Spider-Man oder Wonder-Woman unvergessen sind. Als Zeichner wurde Andy Kubert (u.a. X-Men, Thor, Hulk) verpflichtet. Getuscht hat die Hefte 1-3 dessen Vater, die Zeichnerlegende Joe Kubert (Sgt. Rock,Tarzan, Enemy Ace), der leider mittlerweile verstorben ist. Daher hat Bill Sienkiewicz Heft Nummer 4 getuscht.

Von den Anfängen des ersten Nite Owl (Hollis J. Mason) in den Fünfzigern  bei den Minutemen, dem ersten Heldenteam im Watchmen-Universum, erzählt Before Watchmen: Minuteman von Darwyn Cooke.

Die vorliegende Geschichte indes setzt im Februar 1962 an. Die Minuteman existieren nicht mehr, aber Hollis J. Mason ist noch als Nite Owl unterwegs, und ein viel gefeierter Held.

Die Kindheit von Daniel Dreiberg hingegen verläuft weniger schön. Sein Vater ist ein brutaler Schläger, der regelmäßig mit Hieben und Schlägen gegen ihn und seine Mutter vorgeht. Daniels flüchtet sich in seine Freude an technischen Spielereien und bewundert Nite Owl, der sich gegen die Bösewichte zur Wehr setzen kann. Als Daniel zu sieht, wie Nite Owl einige Verbrecher der Polzei übergibt, verpaßt er dessen Fahrzeug einen Sender, der ihn zum Versteck von Hollis J. Mason führt. Daniel bittet den Vigilanten, ihn als Sidekick auszubilden. Nach einer Trainingsphase gibt Mason den Mantel des Nite Owl an Daniel Dreiberg weiter…

Zeitsprung – zwei Jahre später. Daniel hat sich als Nite Owl etabliert, und durch ein neues Kostüm und allerhand Gadgets seine Eigenständigkeit bewiesen. Außerdem hat er sich mit dem mysteriösem Rohrschach angefreundet, und die beiden gehen gemeinsam erfolgreich auf Verbrecherjagd. Nun kommt es zu ungewöhnlichen Morden im Rotlichviertel. Als Nite Owl nun ein Techtelmechtel mit einer Dame namens Dusk Woman beginnt, bröckelt die Freundschaft zu Rohrschach…

Fazit:
Es ist klar, daß Before Watchmen polarisiert. Die einen begrüßen neue Geschichten zu Moores interessanten Figuren, die anderen kritisieren, daß die Figuren nicht so sind wie in der eigenen Fantasie, oder in der Vorlage angedeutet.

Was kriegt der geneigte Leser also hier geboten?

Straczynski schildert hier, wie Daniel Dreiberg zu Nite Owl wurde, Rohrschach kennen lernt, und einen bizarren Mordfall löst. Außerdem gibt es Einblicke in die Kindheit von Dreiberg und Rohrschach, die Rückschlüsse auf die Psyche der Figuren zulassen. Zudem gibt es nähere Informationen zu einer Figur, die im Watchmen nur in einem Panel erwähnt wird – Dusk Woman.

Insgesamt eine kleine Kriminalgeschichte, die immer wieder Bezug zum Original nimmt. Die Kennenlerngeschichte zwischen Dreiberg und Mason erinnert dabei an das Zusammentreffen von Batman und Tim Drake, der ebenfalls die Geheimidentität seines späteren Mentors ermittelte.

Die Handlung ist teilweise mit anderen Teilen von Before Watchmen verknüpft. So wird hier z.B. Bezug genommen auf ein dunkles Geheimnis von Mason, das in Minutemen erzählt wird, und die Hintergründe über Rohrschachs Kindheit ergänzen den Rohrschach-Band.

Ich muß zugeben, daß ich bei den Zeichnungen nicht ganz objektiv sein kann. Als begeisterter Fan von Joe Kubert mag ich dessen Strich bei Tuschen ungemein, und auch Andy Kubert zeichnet hier viel klassischer als sonst, so daß man den Eindruck gewinnt, klassisches Material in der Hand zu haben. Eine gute Entscheidung war es auch, nach Joe Kuberts Tod Sienkiewicz an die Tusche zu lassen, der die Miniserie harmonisch im ähnlichen Stil beendet hat.

Sehr hilfreich auch dieses Mal wieder der redaktionelle Teil von Übersetzer Christian Heiß, der viele Anspielungen erläutert und Querverweise zu anderen Teilen von Before Watchmen gibt.

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