Rezensionen

Before Watchmen 6: Silk Spectre

Watchmen, erdacht von Kultautor Alan Moore, war eines der kreativsten und einflußreichsten Superheldencomics aller Zeiten. Fast 3 Jahrzehnte später hat DC Comics gegen den Willen Alan Moores beschlossen, dem Meisterwerk mehrere Prequels zu geben, die die Geschichte vor den Ereignissen von Watchmen erzählen sollen, die Moore teilweise detailliert, teilweise nur mit Andeutungen erzählt hat. Mittlerweile hat sich herausgestellt, daß die Einzelbände handlungstechnisch durch einen roten Faden verbunden sind.

Für Before Watchmen wurden hochkarätige Zeichner und Autoren verpflichtet, z.B. Andy Kubert oder Brian Azzarello.

Die Vorgeschichte der einzigen Dame im Team wird von Darwin Cooke erzählt, dessen „Minutemen“ die Messlatte für andere sehr hoch gelegt hat. Als Zeichnerin wurde Amanda Connor (z.B. The Pro, Super-Girl, Power Girl,  Wonder Woman) verpflichtet, die auch als Koautorin fungierte.

Die vorliegende Geschichte setzt in den frühen 60er Jahren ein. Laurie Juspeczyk ist noch ein Kind, und wird von ihrer Mutter, der ehemaligen Heldin Sally Jupiter, großgezogen. Sie ahnt, daß der Ehemann ihrer nicht ihr wahrer Vater ist, und ist eigentlich froh darüber, daß dieser sie beide verlassen hat. Später wird Laurie intensiv von ihrer Mutter trainiert, die möchte, daß ihre Tochter in ihre Fußstapfen tritt, und ebenfalls eine Heldin wird.  Außerdem soll Laurie davor geschützt sein, was ihr widerfahren ist.

Doch auf ewig kann sie Laurie nicht von der Männerwelt fernhalten. Als diese Greg kennenlernt, brennt sie durch – und wohin könnte man 1966 besser fliehen, als nach San Francisco?

Beim Trampen lernen sie ein paar Hippies kennen, die ihnen sofort sympathisch sind, so daß man zusammen zieht. Doch der „Sommer der Liebe“ in San Francisco hat auch seine Schattenseiten. Drogenkonsum gehört zum Lifestyle, doch neben Haschisch und Acid soll die Stadt nun mit einer Droge überflutet werden, die das Konsumverhalten steigern soll. Kann Silk Spectre dem Drogenkönig das Handwerk legen?

Fazit:
Es war eine gute Entscheidung von Darwin Cooke, Silk Spectre nicht selber zu zeichnen. In „Minutemen“ hatte er die 50er Jahre perfekt visualisiert, und gleiches hat nun Amanda Connor mit den 60ern geschafft. Ihre Zeichnungen sprühen vor hippiesken Zitaten und Anlehnungen auf das Lebensgefühl jener Epoche. Es wäre nicht verwunderlich, wenn zwischendurch Age of Aquarius aus dem Musical Hair intoniert würde.

Freilich gibt es in diesem Band auch wieder Auftritte anderer Figuren aus den Watchmen-Universum, namentlich geben sich der Comedian und der erste Nite Owl die Ehre, und es wird auch das erste Zusammentreffen der Crimebusters aus Lauries Sicht gezeigt.

Viele kleine Details uns Anspielungen sind nur auf den 2. Blick sichtbar, wie z.B. das Eulenposter in Lauries Kinderzimmer – umso mehr macht es Spaß, diese zu entdecken. Auch auf die wichtige Frage, wer denn nun wirklich Lauries Vater ist, gibt es einige Hinweise zu entschlüsseln.

Ob man die Handlung nun als krude Drogenstory oder als Konsumkritik ansieht, bleibt jedem selbst überlassen. Insgesamt kommt die Geschichte deutlich gefühlvoller und humorvoller als der Rest der Reihe rüber, wenngleich es natürlich auch ernste Momente gibt.

In meiner persönlichen Rangliste ist der Band im Mittelfeld der bislang erschienenen Bände der Reihe Before Watchmen anzusiedeln.


Die folgende Rezension wurde von Sepp ergänzt:

Nach Rorschach und Comedian dachte ich ja wirklich, daß diese ganze Reihe für den Ar… ist… aber Minute Men hat mir dann doch so gut gefallen, daß ich, obwohl ich Rorschach und Comedian nicht behalten habe, den weiteren Bänden doch eine Chance gegeben habe… und siehe da Nite Owl war vollkommen in Ordnung und hat den Before Watchmen-Rorschach gerettet, und Ozymandias hat mir sogar Jae Lee wieder richtig schmackhaft gemacht.

Und Silk Spectre? Darwyn Cooke und Amanda Conner? Das muss doch gut sein! Oh, diese Ungewissheit… und dann!

Ja, verdammt! Der Band ist gut! Nein, der ist sogar richtig, richtig gut! Er macht genau das, was er machen soll, er liefert nicht nur eine Origin, sondern er atmet den Geist von Watchmen, er kritisiert, er kommentiert, er unterhält, er ist exzellent geschrieben und in Szene gesetzt. Und außerdem steht nicht irgendein Superheld im Mittelpunkt, sondern Personen, die sich echt anfühlen. Natürlich gibt es Superhelden-Elemente wie Schurken, fiese Super-Drogen mit konsumsteigernden Eigenschaften, Kostüme und eine Menge Schlägereien, aber es ist auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden, über den Versuch eine Fantasie zu leben, wenn die Realität hinter jeder Ecke lauert, um einen auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Beim Lesen habe ich manchmal vollkommen vergessen, daß das hier ein Before Watchmen-Band ist, und das ist gut so! Ich kann den beiden Autoren nur mein Kompliment aussprechen und danke Amanda Conner für ihre grandiosen Zeichnungen. Ihr Artwork ist wirklich zum Verlieben!

… eins noch: Jim Lees Variants zu den Bänden (also wirklich zu allen) finde ich absolut furchtbar!

Was soll ich noch zu dem Band sagen außer: kaufen und liebhaben!

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