Rezensionen

Before Watchmen 8: Crimson Corsair

Die Zeit rast… Eben erst wurde die Reihe „Before Watchmen“ angekündigt, und man fragte sich, ob man überhaupt weiteres Material dazu lesen sollte, und nun sind wir schon beim letzten Band der Reihe. Mittlerweile taucht die Frage des „ob“ nicht mehr auf, sondern hauptsächlich die Frage: Ist die Umsetzung gelungen oder nicht?

Watchmen, erdacht von Kultautor Alan Moore, war eines der kreativsten und einflußreichsten Superheldencomics aller Zeiten. Fast 3 Jahrzehnte später hat DC Comics gegen den Willen Alan Moores beschlossen, dem Meisterwerk mehrere Prequels zu geben, die die Geschichte vor den Ereignissen von Watchmen erzählen sollen, die Moore teilweise detailliert, teilweise nur mit Andeutungen erzählt hat. Mittlerweile hat sich herausgestellt, daß die Einzelbände handlungstechnisch durch einen roten Faden verbunden sind. Für Before Watchmen wurden hochkarätige Zeichner und Autoren verpflichtet, z.B. Darwyn Cooke oder Brian Azzarello.

Der Band besteht aus 3 verschiedenen Geschichten. J. Michael Straczynski und Eduardo Risso haben sich den Schurken „Moloch“ vorgenommen, Lein Wein und Steve Rude widmeten sich „Dollar Bill“, und den namensgebenden „Crimson Corsair“ haben Len Wein und John Higgings umgesetzt.

Der Moloch hatte ja schon im Alan Moores Geschichte eine wichtige Rolle. Hier wird seine Lebensgeschichte erzählt. Von seiner traurigen Jugend, die er als verbitterter Freak durchleben mußte, von seiner Kriminalisierung und seiner Schurkenlaufbahn bis zu seinen Tod gibt es hier viele Einblicke ins Leben von Eddie Jacobie.

Mehr Details gibt es auch von Dollar Bill. Von ihm war nur bekannt, dass er bei einem Banküberfall starb, weil ihn sein Cape behinderte. Auch hier nun Hintergründe zu seinem Leben als Sportler, seinem schweren Unfall und seiner Heldenkarriere, die als PR-Gag begann.

„Crimson Corsair“ ist, wie „Tales of the black freightner“ eine Back-Up-Story, die in mehreren Ausgaben von Before Watchmen erschien, und nun gesammelt veröffentlicht wurde. Erzählt wird die Geschichte des Seefahrers Gordon McClachlan, der mit dem roten Korsaren um nicht weniger handeln muß als um seine Seele. Dazu muß er ihm 3 Gegenstände beschaffen – eine Reise, die schnell zum Alptraum wird…

Fazit:

J. Michael Straczynski macht bei seiner Interpretation der Figur des Moloch nicht den Fehler, ihn in Schwarz oder Weiß darzustellen. Zwar gibt es rührselige Momente, aber weit ab von „die Gesellschaft hat ihn gemacht“ oder „er hatte keine andere Chance“. So wird die Figur viel plastischer dargestellt als im Original. Die Zeichnungen von Risso tun ihr Übriges, um die Figur mal bösartig, mal devot erschienen zu lassen. Sehr treffende Erzählung, die sich gut in den Gesamtkontext einfügt.

Len Weins Schilderung der nahezu unerforschten Lebensgeschichte von Dollarbill schließt ebenso eine Lücke in der Watchmen-Historie. Die Handlung ist teilweise mit anderen Teilen von Before Watchmen verknüpft. So wird hier z.B. Bezug genommen auf die Gründung der Minuteman, und wir erfahren Dollarbills Einstellung bzgl. der Teammitglieder. Len Wein weiß echt, wie’s geht.

Crimson Corsair setzt die Tradition der Piratengeschichte in Watchmen fort. Das ganze kommt deutlich esoterischer daher als der Vorgänger, ist aber spannend bis zuletzt.

In meiner persönlichen Rangliste ist der Band im Mittelfeld von Before Watchmen anzusiedeln. Davor stehen, wen wundert’s, die längeren Geschichten von J. Michael Straczynski und Lein Wein, die beide für mich diejeneigen sind, die das Beste aus Before Watchmen heraus gehalt haben.

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