Rezensionen

Caligula 2 – Das Herz von Rom

In den letzten Jahren ist der amerikanische Independent Verlag Avatar Press immer mehr zu einem Verlag für extreme Publikationen geworden. Sex und Gewalt werden hier sehr viel deutlicher dargestellt als bei anderen Verlagen. Szenegrößen wie Garth Ennis, Warren Ellis und Mark Millar können hier die Geschichten erzählen, für die Marvel und DC nicht genug Mut haben. Auch David Lapham, der durch sein grandioses Stray Bullets bekannt wurde und nun für DC und Marvel arbeitet, kann hier ganz anders agieren, als es bei den großen Verlagen möglich wäre. Ihm zur Seite steht der argentinische Zeichner German Nobile, der mit Caligula sein erstes größeres Comicprojekt abliefert.

Rückblick:

Lapham hatte sich in Band 1 die historische Figur des römischen Kaisers Gaius Caesar Augustus Germanicus, später Caligula genannt, herausgesucht. Dieses wurde durch eine plötzliche Wesensveränderung vom gefeierten Herrscher zum bösartigen Tyrannen, der am Ende gar sein Lieblingspferd zu seinem Nachfolger machen wollte. Sexuelle Ausweifungen jeglicher Art und Gewaltorgien waren an der Tagesodnung, und nur mit größter Anstrengung konnte Caligula getötet werden. Doch ist das, was Caligula zum Wahnsinnigen werden ließ, ebenfalls tot?

Handlung:

Nach Caligulas Tod wurde es in Rom scheinbar ruhig. Nun sitzt ein neuer Kaiser auf dem Thron, und Agrippina, Caligulas Schwester, wurde in die Verbannung geschickt. Zusammen mit ihrem Sohn Nero lauert sie auf Rache.

Doch plötzlich gibt es in der Stadt neue Morde. Auf offener Straße werden Menschen angeriffen, getötet, zerstückelt und neu arangiert. Laurentius Aquilinus, ein ehemaliger Zenturio, der am Tod des letzten Kaisers nicht unbeteiligt war, nimmt die Ermittlungen auf. Die Fälle erinnern ihn stark an den gewaltsamen Tod seiner Frau, die ebenfalls enthauptet wurde. Tiefer und tiefer dringt Laurentius in die Kanäle unter der Stadt vor. Was wird er im Herzen Roms finden?

Fazit:

Lapham stellte in Band 1 die Dekadenz, die Verderbtheit, die Sünde, die Perversionen und den Machtmißbrauch exzessiv dar. Das brachte ihm viel Kritik ein. So wurde ihm vorgewurfen, die Gewalt nur der Gewalt wegen zu inszenieren. Im 2. Teil hingegen schaltet er daher einen Gang runter. Natürlich sind explizite Inhalte immer noch deutlich über Mainstream-Niveau vorhanden (nicht umsonst ist der Comic erst ab 18 Jahren empfohlen), doch der Schwerpunkt liegt klar auf den Ermittlungen von Laurentius Aquilinus. Intrigen, Gladiatorenkämpfe, Paläste und Blut und Gedärme – das ist der Stoff, aus dem „Das Herz von Rom“ gemacht ist.

Die Zeichnungen von German Nobile stellen all das äußerst detailreich dar, und die düstere Kolorierung ist an die dunkle Stimmung der Serie angepaßt. Die Cover, diesmal von Nobile selbst gezeichnet, spiegeln dieses mal viel besser die Serie wieder als bei Teil 1.

Sehr gut auch, daß Laphan nicht in die Falle tappt, den toten Caligula für Teil 2 einfach wieder auferstehen zu lassen. Stattdessen hat er die wenigen Überlebenden sinnvoll miteinander (und der Hirstorie) verbunden. Ich vermute, an dem kleinen Nero werden die Leser noch viel, viel Spaß haben.

Sensible Gemüter sollten hier definitiv nicht zugreifen. Wer aber Werke wie Ennis‘ Preacher und Die Chroniken von Wormwood oder Millars The Chosen mag, wird hier eine Menge bösartigen Spaß haben.

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