Rezensionen

Dial H – Bei Anruf Held 2 – Scheibenkleister

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Eine der größten Überraschungen der New 52 (also des Neustarts des DC-Universums) ist die Serie Dial H.

Schon zu alten Ehapa-Zeiten war die Serie „Wähle H für Held“ etwas besonderes für mich. Die Serie war als Zweitgeschichten in einigen Serien enthalten, und handelte von Teenagern, die mittels einer Wählscheibe in zufällige Helden transformiert wurden – ob die Kräfte des jeweiligen Helden gerade passten oder nicht.

Doch der Neustart hat bis auf das Konzept der Wählscheibe wenig mit dem Klassiker zu tun. Dort wurden, wie ich in dem passenden Nachdruck gelesen habe, immer 1-2 Heldenidentitäten durchprobiert, um den Schurke der Woche zu schlagen. Etwas naiv war der Klassiker dabei auch. Stattdessen wird dem Leser hier etwas geboten, was es an Abgefahrenheit die Neustarts von Animal Man und Swamp Thing locker übertrifft.

Im ersten Band lernten wir Nelson kennen. Er ist der typische Verlierer; fett, nikotinsüchtig und einfach gestrickt. Als er jedoch seinem Freund zu Hilfe eilen möchte, der von Verbrechern zusammen geschlagen wird, kommt ihm der Zufall zur Hilfe. Er flüchtet in eine dreckige alte Telefonzelle. Bei dem Versuch, Hilfe anzurufen, wählt er versehentlich die Zahlenkombination für das Wort „HELD“ – und verwandelt sich auf der Stelle in einen ebensolchen! Dies war sein erster Kontakt mit der seltsamen Wählscheibe, und viele Verwandlungen sollten folgen. Dabei lernte er Roxie kennen, eine ältere Dame, die ebenso wie er die Wählscheibe nutzt, um sich zu verwandeln.

In „Scheibenkleister!“ kommen Roxie und Nelson den Geheimnissen der Scheiben mehr und mehr auf die Spur. Roxie hat sich schon Jahrzehnte mit der Thematik auseinandergesetzt, und dabei herausgefunden, daß der Wechsel in andere Heldenidentitäten auch bewirken kann, daß man sich in der Identität verlieren kann, wenn man nicht gefestigt ist. Eine große Gefahr für Nelson, der die Verwandlung und die Heldentaten mittlerweile braucht wie ein Junky seinen Stoff. Und eine weitere Gefahr droht den Helden. Ein fieser Agent namens „der Tausendfüßler“ jagt die beiden. Doch was will er mit den Wählscheiben?

Fazit:

Dial H bereichert die DC Dark-Reihe als innovative, psychedelisch Serie jenseits der üblichen Superheldenkost.

China Miéville hat seine Geschichte weiter gesponnen. Er ist ein Fantasyautor, der seine mehrfach prämierten Arbeiten (z.B. Perdido Street Station, Stadt der Fremden, UnLonDun) gern als Weird Fiction bezeichnet. DIAL H ist seine 2. Arbeit im Comicbereich, nach einer Kurzgeschichte für Hellblazer.

Als Zeichner hat er sich David Lapham (Stray Bullets) und Alberto Ponticelli (Superagent Frankenstein, Animal Man) ins Boot geholt.

Die Serie lebt von den schrägen Vögeln, in die die Wählscheibe den Wählenden transformiert.
Man könnte das ganze nun als Persiflage begreifen, doch China Miéville hat einiges mehr zu bieten als die obligatorische Comedy. Waren im ersten Band noch einige Anleihen des Klassikers zu finden, hat Miéville die Serie nun quasi neu erfunden. Die Frage, woher die seltsamen Helden eigentlich kommen wird ebenso beantwortet wie die Frage, welche Konsequenzen das Prozedere haben kann und sogar das große Ganze dahinter wird ein einem unglaublich bizarren Finale abgefeiert.

Finale? Leider hat DC diese wohl kreativste Serie des Relauches mit der Nummer 15 eingestellt. Sehr schade daß dieses Kleinod nicht genug Leser gefunden hat. Nichtsdestotrotz hat Miéville es geschafft, die Serie zu einem sinnvollen Ende zu bringen, mit dem er aber auch zeigt, was noch alles an coolen Ideen und Möglichkeiten in der Serie schlummerte.

Dial H gehört in des Regal jeden Lesers, der Geschichten jenseits des Superhelden-Mainstreams genießen möchte.

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