Rezensionen

Ewiger Himmel (Virtual Graphics)

EWIGER HIMMEL Hardcover

Zunächst muss ich eins erwähnen: Wer an dieser Stelle eine objektive Rezension erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Die prinzipielle Frage, ob eine Rezension überhaupt objektiv sein kann, spare ich mir an dieser Stelle, da ich sie mir längst mit NEIN beantwortet habe. Ich muss mir und dem Leser dieser Rezension im Speziellen allerdings eine gewisse Befangenheit einräumen, denn mittlerweile darf ich David Boller, Autor und Zeichner von „Ewiger Himmel“, einen Freund nennen. Mir ist klar, dass das nicht bedeutet, dass ich mich mit seinem Werk nicht kritisch auseinander setzen kann. Tatsächlich ist es so, dass ich nichts Negatives an „Ewiger Himmel“ finden kann – zumindest fast nichts. Ob das an dieser Befangenheit liegt, wage ich nicht zu beurteilen. Trotzdem möchte ich meine Gedanken zu diesem Werk mitteilen.

Prinzipiell bin ich offen für alle neuen Medien. Dazu gehörte in den letzten Jahren logischerweise auch die digitale Präsentation und Verbreitung von Comics. Mit größter Bewunderung konnte ich hier beobachten, wie einige Talente das Medium Internet nutzten, um ihre Werke unters Volk zu bringen und später durch traditionelle (gedruckte) Verbreitung belohnt wurden. David Boller, dessen Arbeiten ich schon eine ganze Weile bewunderte, war einer von ihnen, der seine Online-Veröffentlichungen später allerdings im Eigenverlag als Bücher veröffentlichte. Natürlich beobachtete ich sein Online-Projekt ZAMPANO COMICS deswegen auch von Anfang an. Unter diesem Label präsentierte er fortan regelmäßig seine Comics vorab online. Der als Graphic Novel angelegte „Ewiger Himmel“ interessierte mich persönlich am meisten, denn in diesem ambitionierten Projekt arbeitete er autobiografisch seine Zeit in den USA auf. 

Wie viele andere, die den Traum verfolgen, als Comiczeichner ihr Brot zu verdienen, wollte auch David sein Glück in Amerika machen. Schließlich ist das Land für seine Comickultur bekannt. David träumte nicht nur davon, er handelte auch danach und unternahm alles, um diesen Traum zu gerwirklichen. Mit Hilfe eines Stipendiums trat er 1992 den Weg über den großen Teich und in die Kunstschule Joe Kubert’s an. Dort angekommen erarbeitete er sich nicht nur den Respekt unter seinen Mitschülern, der auch mal in Neid umschlug, sondern durfte sehr schnell das erste Jahr überspringen. Zudem half ihm etwas Glück dabei, dass er ebenfalls sehr früh erste Aufträge von Marvel bekam. Doch wo Licht scheint entstehen auch Schatten und so musste er sich aufgrund der hohen Doppelbelastung aus Schule und Job für eines von beiden entscheiden.

Über die Schule lernte David den Maler Peter LeGrand kennen, den er als Jugendlicher bereits bewunderte. Nun unterrichtete dieser an der Joe Kubert School. Aber auch zu dessen Zwillingsbruder Paul und seiner Familie knüpfte David schnell Kontakt – besonders aber zu Rachel, der Tochter Paul‘ s, die er in Jugendtagen in dem Bildband der LeGrands schon anhimmelte. David und Rachel verliebten sich und die beiden heirateten schließlich. Doch schon bald stand das junge Eheglück erneut vor einer schweren Prüfung, familiären Niederschlägen und Intrigen, zudem jedoch vor einer weiteren, alles umwälzenden Entscheidung.

Klar, David musste für die 15 Jahre in den USA, die er auf knapp 270 Seiten komprimiert hat, ein geeignetes Erzähltempo finden. Einen großen Teil der ersten Hälfte widmet er freilich seiner Ausbildung in der Kunstschule. Die zweite Hälfte hingegen beschäftigt sich überwiegend mit seiner neuen amerikanischen Familie, ihren Eigenheiten und einigen Prüfungen. Die Geschichte lebt durch eine tragikomische Mischung, wie sie nur das Leben selbst schreiben kann. Das wird auch durch David‘ s Zeichnungen transportiert, die er durch eine Mischung aus Manga-Einflüssen, amerikanischem und europäischem Stil gekonnt mit mehr oder weniger Details spielen lässt, je nachdem, wie es die Situation erfordert. Ein nennenswertes Detail ist zum Beispiel die immer wieder kehrende Darstellung von Joe Kubert‘ s kräftigem Händedruck. In seinen klaren schwarz-weißen Zeichnungen kommt David‘ s zeichnerisches Talent jedenfalls optimal zur Geltung.

Am Anfang erwähnte ich, dass ich fast nichts zu kritisieren hätte. Eine kleine Kritik übe ich lediglich ein zwei Punkten. So sehr ich die Vorveröffentlichung online mochte, ein Werk, wie „Ewiger Himmel“, wirkt natürlich am Besten, wenn man den Band komplett lesen kann, was ich nun nachholen konnte. Tatsächlich habe ich zwar immer wieder einzelne Seiten online gelesen. Dennoch hatte ich bereits die ersten Kapitel ein weiteres Mal am Stück gelesen, passenderweise, als ich selbst das erste Mal in New York war. Der zweite Punkt ist das etwas abrupt wirkende Ende. Die Erklärung dafür ist jedoch längst gefunden: David hat noch mehr zu erzählen und hat mittlerweile erfreulicherweise seine Arbeit an „Ewiger Himmel 2“ angekündigt. 

„Ewiger Himmel“ ist in zwei Ausgaben erschienen: der Softcover-Ausgabe und der Vorzugsausgabe als Hardcover mit edlem Druck.

EWIGER HIMMEL Softcover

2 replies »

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s