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Quo vadis, Comixology?

Im letzten Jahr hat sich meine Einstellung zu digitalen Comics stark gewandelt. War ich lange der Meinung, dass nichts Papiercomics ersetzten kann, hatte mich Comixology vom Gegenteil überzeugt. Auf dem Tablet lief es wirklich gut, es gab jede Menge Gratiscomics zum Reinlesen, und auch Guided View hatte seine Vorzüge, so daß es irgendwann soweit war. Ich KAUFTE ein digitales Comic. Zunächst mit Guthabenkarten von Google Play, dann mit Paypal. Und ich hatte eine Menge Spaß – ganz zu schweigen von der finanziellen Ersparnis und der Platzersparnis im Comicregal. Es sollte noch besser werden: Panini kündigte an, künftig auch über Comixology deutschsprachige Comics anzubieten, wie es z.B. schon mit französischen Comics der Fall war.

Doch dunkle Wolken zogen am 10.04.2014 über mein digitales Comicwunderland. Amazon kaufte Comixology, und assimilierte so den Kindle-Konkurrenten Nr. 1 im Comicbereich. „Wir sind die Amazonen. Widerstand ist zwecklos.“

Ein erster Schlag war nun, dass Comics generell teurer wurden, da diese nun innerhalb der EU versteuert wurden. Comixology.eu wurde geboren. Mit einer Kreditkarte aus der EU kann man nicht mehr auf Comixology.com bezahlen. Ob dies schon länger geplant war ist mir nicht bekannt, Freude kam jedenfalls nicht auf, denn der Hauptvorteil digitaler Comics ist nun mal der Preis. Bei verschiedenen Verlagsapps, die auf Comixology basieren wie z.B. Marvel Comics sollen noch die alten Preise möglich sein.

Heute nun die nächste Verschlechterung. Man kann in der App nun nicht mehr direkt Comics kaufen, sondern nur über die Homepage. Bezahlung über Google Play oder den App Store Guthaben ist nicht mehr möglich, die Comixology App ist also nur noch als Reader verwendbar. Das Argument der neuen Besitzer: man will nicht mehr 30% des Preises an Apple oder andere abführen. Für Kunden ohne Kreditkarte ist das allerdings eine Verschlechterung.

Comixology rät, sich mit „Add to your Homescreen“ einen Shortcut auf den Homescreen des Tablets zu legen. Klasse. „Wir reißen die Brücke ein, benutzt doch ein Ruderboot…“

Wenigstens haben Nutzer teilweise ein Guthaben in Form einer eGiftcard von 5€ bekommen (Achtung, mit Verfallsdatum), nach welchen Kriterien ist nicht bekannt.

Es ist wohl auch zu erwarten, dass Comixology langfristig wie Kindle oder Audible direkt auf den Amazonseiten eingebunden wird. Ob Amazon die vielen Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Indy-Comics über Comixology weiterführt, ist die große Frage.

Es ist klar, dass große Unternehmen gern kleinere schlucken, um sich potentielle Konkurrenz vom Leibe zu halten, wie z.B. Disney mit Marvel, oder Facebook mit Whattsapp. Selten jedoch schaffen es die neuen Besitzer die ehemaligen Kunden so schnell zu verprellen, wie es nun bei Comixology der Fall ist. Verdammt schade drum.

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