Rezensionen

Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein

Autismus ist mittlerweile durch die Medien bekannt. Meint man zumindest. Durch erfolgreiche Filme wie „Rain Man“ oder „Das Mercury Puzzle“ hat man schon  Autisten in Aktion gesehen, und konnten sich ein genaues Bild davon machen. Und einige Reportagen gibt es ja auch zu dem Thema.

Genau davon will Daniela Schreiter, Autorin und Zeichnerin von „Schattenspringer“, aber weg. Sie selbst leidet am Asperger-Syndrom und weiß: Jede Form von Autismus ist individuell und kann vollkommen anders sein als die Schublade „Rain Man“.

Mit ihrer autobiographischen Graphic Novel schildert sie mit sich selbst als Beispiel, wie das Leben für Autisten sein kann. Dabei wird die gesamte Entwicklung von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter dargestellt.

Daniela fiel durch den Autismus bedingt, vieles schwerer als anderen Kindern. Die Entwicklungsstörung sorgt nämlich dafür, daß sie die Welt vollkommen anders wahrnimmt als andere. Der natürliche Filter des Gehirn der dazu dient, wichtige von unwichtigen Informationen zu trennen, fehlt ihr. So kann sie viele und laute Geräusche nur schlecht ertragen, da alles auf einmal auf die einströmt. Kakophonie² könnte man dazu sagen.

Auch im Bereich der Motorik treten bei ihr Probleme auf, sei es beim Gehen lernen, oder später im Sport- und Schwimmunterricht. Daniela muss sich sehr konzentrieren, um überhaupt annähernd mit anderen mitzuhalten.

Im sozialen Bereich fiel es ihr schwer, auf andere zuzugehen und Freundschaften zu schließen, den Kommunikation unterliegt keinen Regeln, die man erlernen kann, erst recht nicht, wenn man auch niemanden bei Reden gern in die Augen sieht. Und so gestaltete sich die Kindheit und Jugend der Künstlerin schwierig, da sie von vielen als merkwürdig und verschroben angesehen wurde. Verstärkt wurde dies dadurch, dass die schulischen Leistungen überdurchschnittlich gut waren – und schon war man der freakige Streber.

Sonne und Hitze mag Daniela nicht, eben sowenig wie kratzige Kleidung, und schon das Laufen auf Gras oder Duschen verursachte bei ihr Probleme, da die übersteigerte Wahrnehmungsfähigkeit Alarm gab. Am wohlsten fühlt sie sich in kühler, abgedunkelter Umgebung.

Aber keine Sorge, dies ist keine Klagegeschichte. Daniela Schreiter beschreibt auf äußerst witzige Weise ihr Leben mit dem Asperger-Syndrom. Jeden Tag muss sie über ihren Schatten springen, und entwickelt Methoden, um mit Problemen fertig zu werden. Sehr persönlich und verständlich vermittelt sie dabei „ihre Welt“.

Die Zeichnungen sind dabei cartoonig gehalten, und vermitteln in kurzen Episoden Informationen zum jeweiligen Thema. Besonders die Eigenwahrnehmung ist dabei gelungen, z.B. wenn wie auf dem Cover Fühler aus dem Kopf von Daniela wachsen, weil sie sich vorkommt wie ein Alien, das als einziges seiner Art auf der Erde ist. Oder wie Muster z.B. von einem Vorhang in ihrer Wahrnehmung zu etwas vollkommen anderem verschwimmen. Koloriert sind jedoch nur die 8 Seiten, dass Rest des Bandes ist in Schwarzweiß gehalten.
Mit „Schattenspringer“ überrascht Panini Comics  erneut mit einem Band, den man  in dem Verlagsprogramm so nicht erwartet hätte. Der Verlag, der ursprünglich mit Superhelden-Comics auf sich aufmerksam gemacht hatte, bietet nun eine breite Palette auch von sehr guten Graphic Novels wie z.B. Schloggers „Danach“, „Smile“ oder „Alicia im wahren Leben“.

Mir hat der Band sehr geholfen, Autismus besser zu verstehen. Aber, und das ist noch viel wichtiger, er hat mich ausgezeichnet unterhalten. Ich würde mich freuen, bald mehr von Daniela Schreiter zu sehen. Mehr Material von ihr gibt es auf www.fuchskind.de.

  • Schattenspringer
    Panini Comics – 19,99 €
    Hardcover – 160 Seiten
  • Online-Leseprobe

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