Rezensionen

DC Premium 85: SHAZAM! (Panini Comics)

Ich weiß eigentlich nicht viel über den ursprünglichen Captain Marvel, nur, dass er lange vor Marvel’s Captain Marvel so hieß, ursprünglich von Fawcett Comics als offensichtliche Kopie von Superman geschaffen wurde, da man dort auch ein Stück des Superhelden-Kuchens abhaben wollte und Fawcett Comics wegen seiner Ähnlichkeit zu Superman von DC verklagt wurde. Später wurde die Figur von DC gekauft, wo der Name Captain Marvel nun nicht mehr werbewirksam (also auf dem Cover oder Werbepostern) genutzt werden durfte, da Marvel seinerseits mittlerweile wiederum diesen Namen kopiert hatte und markenrechtlich schützte. Somit durfte Captain Marvel auf keinem der Cover DC’s mehr verwendet werden, im Heft allerdings schon. Die Hefte selbst zierte fortan in irgendeiner Form die Quelle der Macht Captain Marvel’s und seiner Marvel Family: Shazam.

Die Figur Captain Marvel selbst hatte im DC-Universum eher einen schwierigen Stand, interessantere Geschichten lieferten eher sein Erzfeind Black Adam oder Mary Marvel, welche neben Captain Marvel das bekannteste Mitglied der Marvel Family war.  Captain Marvel war in Wirklichkeit der stets fröhliche, immer strahlende und tugendhafte Junge Billy Batson, der es bereits in jungen Jahren zum  bekannten Radiomoderatoren gebracht hatte. Die Marvel Family beherbergte neben Captain Marvel und Mary Marvel noch illustre weitere Mitglieder, wie Captain Marvel Jr., der quasi die Rolle eines Sidekicks ausfüllte, bis hin zu einem Marvel Bunny.

Soweit zur Vorgeschichte. Nun hat es Geoff Johns im Umfeld des neuen DC-Universums wieder getan. Erneut nimmt er sich nach den erfolgreichen Überarbeitungen Green Lantern’s und des Flash eines DC-Helden an. Mit dem Neustart des DC-Universums im Rücken weiß er dabei alle Freiheiten, die dieses unbelastete Universum bietet, zu nutzen.

Vom alten Captain Marvel ist nicht mehr viel übrig. Billy Batson ist zwar noch immer ein Waisenjunge, aber längst nicht mehr dieser personifizierte Pfadfinder und ewige Strahlemann. Dieser Billy Batson hat es schwierig, die passende Pflegefamilie zu finden. In seinem noch jungen Leben hat er bereits mehrere Waisenhäuser von innen gesehen. Auch ist er kein erfolgreicher Radiomoderator, sondern erwähnt lediglich einen Podcast, den er über die Arbeit seiner Sozialarbeiterin produziert.

Das Ehepaar Vasquez nimmt Billy schließlich bei sich auf. Vor Billy hatte das Ehepaar bereits fünf weitere Waisenkinder aufgenommen: Mary, Darla, Freddy, Pedro und Eugene. Natürlich fällt es Billy zunächst alles andere als einfach, sich in diese Familie einzugliedern, auch, weil er immer noch die Hoffnung hegt, seine wahren Eltern zu finden. Eine Erinnerung an seine frühere Kindheit und somit einen Zufluchtsort bietet der Tiger Tawny, der sich im örtlichen Zoo befindet. Seine neue Familie soll für Billy jedoch nur der Auftakt für eine größere und unvorhersehbare Lebenswandlung sein.

Johns hat es wieder einmal geschafft: eine Figur, die ich vorher nur sehr wenig wahrgenommen habe, hat mein Interesse geweckt. Das sind Superhelden-Geschichten, die ich lesen möchte. Captain Marvel gibt es nicht mehr, das ist Shazam. Johns gelingt es offensichtlich, alte Referenzen auf die Figur Captain Marvel zwar aufzugreifen, diese jedoch in dieser Neuinterpretation des Charakters nicht zu dogmatisch in den Vordergrund zu spielen. Bestes Beispiel: Der Magier Shazam sucht als seinen Nachfolger die reinste und gütigste Seele. Billy erklärt ihm, dass es diese nicht geben kann. Eine wunderbare Anspielung auf den alten Captain Marvel, der immer als rein und gut dargestellt wurde. Ausgestattet mit seinen neuen Kräften und dem Aussehen eines Erwachsenen hat Billy natürlich nur ein Ziel: Bier zu kaufen. Dass er dabei eher zufällig mehrere Kriminelle aufhält und sich so als Held etabliert, scheint zunächst bloßes Beiwerk zu sein. Als naiver Heldenanwärter begeht Billy natürlich noch den ein oder anderen Fehler.

Als Widersacher spielt in diesem Band natürlich Black Adam die größte und ernsteste Rolle. Dieser bekommt, wie Billy Batson selbst, eine etwas angepasste Ursprungsgeschichte mitgeliefert, die seinen Drang auf Vergeltung und somit seine Motivation festigen soll. Auch die sieben Todsünden spielen beim Plan Black Adam’ s eine wichtige Rolle. Zudem findet er Unterstützung durch Dr. Sivana, einem Wissenschaftler, der sich nun der Magie zuwendet. Dieser war ebenfalls bereits ein alter Gegner Captain Marvel’ s, der rein äußerlich sehr an Lex Luthor erinnert.

Die Zeichnungen von Gary Frank transportieren die Geschichte, die uns Geoff Johns erzählt, gekonnt. Dabei gelingt es ihm klassische Aspekte, wie das Aussehen Captain Marvel’ s zu adaptieren und dabei zu modernisieren.  Die Darstellung der sieben Todsünden in unterschiedlichen Farben erinnert dabei natürlich sehr an John’s emotionales Spektrum bei Green Lantern. Auch der modernen Version der Marvel Family gesteht DC gegenüber Gary Frank eine gewisse Freiheit zu.

Ich möchte diesen Band allen empfehlen, die sich vor der Neuinterpretation Captain Marvel’ s (dieser Name wird im Band nicht einmal verwendet – auch nicht die Marvel Family) nicht scheut, sondern sich darauf einlassen kann. Dann bietet dieser Band eine gelungene Superhelden-Geschichte, die Lust auf mehr macht.

  • DC Premium 85: SHAZAM!
    Panini Comics – SC 16,99 € / lim. HC 29,00
    188 Seiten
  • Online-Leseprobe

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