Rezensionen

Miracleman 1: Der Traum vom Fliegen (Panini Comics)

Miracleman 1 (HC)

Miracleman 1 (HC)

Der Reporter Michael Moran führt ein langweiliges, durchschnittliches Leben, mit dem er aber im insgesamt zufrieden ist, was auch an seiner bezaubernden Ehefrau Liz liegt. Als er auf einer Demonstration in einen Überfall hinein gerät, verfällt er in eine Art Trance und sagt aus dem Unterbewusstsein heraus ein Wort: „Kimota!“. Ein Lichtblitz, ein Donnern, und er verwandelt sich in Miracleman, den Superheld! Klar, dass der Überfall schnell vorbei ist, doch Michael weiß nicht so recht etwas mit der Verwandlung anzufangen, denn nur langsam kann sein Verstand die Erinnerung an die Vergangenheit wieder erlangen, und auch seine Frau ist geschockt, als plötzlich ein Übermensch in ihrer Wohnung steht.

Mehr und mehr erinnert sich Michael; er ist Miracleman, der mit der Miracleman-Familie in den späten Fünfzigern bis in die frühen Sechziger hinein gegen Verbrecher und Superschurken gekämpft hat. Zu der Familie gehörten noch Young Miracleman und Kid Miracleman, die 2 Sidekicks von Michael. Doch die Geschichte endete abrupt bei einem Einsatz über der Nordsee, bei dem eine gewaltige Explosion dazu führte, dass Miracleman sein Gedächtnis verlor. Doch was ist mit Young Miracleman und Kid Miracleman geschehen in den letzten 20 Jahren?

Als das Telefon klingelt, und Johnny, ehemals Kid Miracleman, anruft, ist die Freude groß. Bei einem Treffen offenbart der inzwischen gealterte, dass die Explosion ihn seiner Kräfte beraubt hat, und er stattdessen ein mächtiges Firmenimperium aufgebaut hat. Doch Michael spürt, dass etwas mit Johnny nicht in Ordnung ist. Was verschweigt der Junge?

Miracleman 1 (SC)

Miracleman 1 (SC)

Fazit

Das ganze hört sich an  wie eine überarbeitet Version der Geschichte von Captain Marvel (Shazam) – und das ist es auch. Der Brite Mick Anglo erfand 1954 die britische Antwort auf Superman und Captain Marvel – und nannte ihn ungeniert Marvelman, ein Name, der aufgrund der offensichtlichen Herkunft nicht lange bestand. Die Serie lief bis 1963.

1982 nahm sich der Kultautor Alan Moore die Figur vor, und machte aus der kindlich-naiven Silverage-Serie eine nachdenkliche, dunkle und geniale Serie, die lange Zeit nicht erhältlich war, was unter anderem auch an der Verweigerungshaltung von Alan Moore lag. Dieser möchte als Autor der Serie in den Reprints nicht genannt werden, und wird als Pseudonym „Der Originalautor“ aufgeführt. Die Serie wurde optisch restauriert, und liegt nun in einem hochwertigen Hardcoverband auch in deutscher Sprache vor.

Genüsslich demontiert der Originalautor darin das Silverage und dessen Ungereimtheiten sowie den Einsatz von Comics als Propagandamittel im Kalten Krieg. Es gibt einige Parallelen zum 1986 erschienen Watchmen. Zum einen die verschiedenen Zeitebenen, in denen die Geschichte spielt, zum anderen die Fehlerhaftigkeit der glorifizierten Helden von damals, die darin mündet, dass ein Held zum Schurken wird. Doch Miracleman ist mehr als eine Fingerübung für Watchmen, und gerade durch die Konzentration auf eine Hauptfigur sehr intensiv.  Alles, so albern es am Anfang auch wirken mag, ergibt einen Sinn.

Der Band enthält die Ausgaben 1-4 und eine große Menge Bonusmaterial wie sämtliche Cover, Skizzen, Kostümentwürfe und Hintergrundinfos zur Entstehung der Figur und deren Entwicklung.

Durch die Wiederveröffentlichung ist auch Bewegung in die Weiterentwicklung der Geschichte gekommen. Alan Moore hatte die Serie mit der Nummer 16 an Neil Gaiman abgegeben, der wegen einer Verlagspleite seinerzeit die Story nicht zu Ende bringen konnte. Es wäre wunderbar, wenn nach der Wiederveröffentlichung nun auch neues Material dieser hervorragenden Serie entstehen würde.

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