Rezensionen

Sin Titulo

Sin Titulo (Panini Comics)

Sin Titulo (Panini Comics)

Alex Mackay ist ein normaler Durchschnittstyp, der bei einer Zeitungsredaktion arbeitet, und sein Leben zusammen mit seiner Freundin lebt. Doch plötzlich ändert sich seine Existenz grundsätzlich. Alles beginnt mit dem Tod seines Großvaters. Der alte Mann wohnte zuletzt in einem Pflegeheim, und Alex hatte wenig mit ihm zu tun, da er „immer sehr beschäftigt war“, jedenfalls zu sehr, um den Rentner zu besuchen.

Als er das Pflegeheim besucht, um die persönlichen Sachen seines Verwandten abzuholen, fällt ihm dabei ein Bild auf. Es zeigt seinen Großvater, zusammen mit einer jungen Blondine und mit etwas, was er bei seinem Großvater niemals gesehen hat: ein Lächeln.

Wie gebannt macht sich Alex auf die Suche nach der Dame, doch viele Spuren führen in eine Sackgasse, und es dauert nicht lange, bis er sich die erste blutige Nase geholt hat.

Dazu kommt ihm ein Traum aus seiner Kindheit in den Sinn. Er läuft allein, an einem seltsamen Strand, auf einen knochigen alten Baum zu, unter dem jemand sitzt. Doch scheinbar kommt er nicht näher, bis seine Sicht plötzlich stehen bleibt, und er sich selbst auf dem Baum zu rennen sieht …

Das ganze wird mysteriöser, je mehr Alex versucht eine Lösung zu finden. Die Grenzen von Traum und Realität verschwimmen, und bald findet er sich in einem Strudel aus Fantasie, Gewalt und bösen Erinnerungen wieder, der sein Leben zu zerstören droht. Kann Alex seiner eigenen Vergangenheit entkommen?

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Fazit

Der Künstler Cameron Stewart hat diesen Comic von Juni 2007 bis April 2013 neben seiner Arbeit für DC, Darkhorse und Marvel zunächst als reinen Webcomic geschaffen. Während er also an Serien wie B.P.R.D., Seaguy, Batman und Robin oder an Covern für Wolverine oder Marvel Adventures zeichnete, veröffentlichte er im Wochenrhythmus je eine Seite mit 8 Panels, die nun zu dieser Graphic Novel zusammen gefasst wurden.

Dafür wurde das Querformat beibehalten. Panini hat dem Band auch eine wunderschöne Haptik verpasst, denn der Band erscheint als Hardcover mit Lackoptik auf dem Cover, jedoch ohne so anfällig zu sein wie mache Alben anderer Verlage.

Die komplette Geschichte ist in 3 Farben gestaltet (Schwarz, Weiß, Sephia), was die Zeichnungen Stewards sehr schön betont. Der leicht cartoonig angehauchte Stil, der in Richtung Darwyn Cooke geht (in Richtung, nicht, gleich, Sepp 😉 ) gefällt mir so gut, dass ich auch in die aktuelle Batgirl-Serie hineinschauen werde, die Stewart ab Oktober 2014 gestalten soll.

Wer sich also auf eine wilde Achterbahnfahrt zwischen Realität und Wahnsinn begeben möchte, ist hier bestens bedient. Sin Titulo ist definitiv ein Werk, welches man auch mehrfach lesen kann, und immer etwas Neues entdecken wird, auch bzw. weil mal das Ende bereits kennt. Ein Mehrwert, der in aktuellen Comics immer seltener wird.

Der Surrealismus der Geschichte erinnert an Charles Burns Black Hole, bei dem die Grenze zwischen Realität und „Traum“ auch sehr fließend war. Stewart lässt dem Leser jedoch die Möglichkeit, sich seinen eigenen Reim auf die Vorgänge zu machen, und erklärt nicht jedes Detail seiner Geschichte haarklein. Selbst denken ist angesagt.

Die Geschichte wurde 2009 mit einem Shuster-Award und 2010 mit einem Eisner-Award, jeweils in der Kategorie Web- bzw. Digitalcomic ausgezeichnet.

Lohnenswert ist auch ein Blick auf die Homepage des Kanadiers, die sehr viele Zeichnungen und Extras enthält: http://cameron-stewart.tumblr.com/

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