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Podcasts und Comics – eine Allianz?

In Deutschland gilt das Medium Comic noch immer als Nischenprodukt, auch wenn man mittlerweile der Ansicht ist, dass Comics in der Literatur angekommen sind. Fachleute erkennen dabei die Graphic Novel als das Bindeglied zwischen Nerds und (Buch)-Gesellschaft.

Ähnlich wie dem Medium Comic ergeht es Sendungen, die auf dem Wege des Podcast verbreitet werden. Auch hier steckt man allem Anschein nach wie vor in der Nische. Aber wenn dem so ist, ist das so verkehrt? Ich denke nicht. Vielmehr glaube ich daran, dass sich beide Nischenprodukte gegenseitig befeuern können und sollten.

Ein neues Info-Portal zum Thema Comics ist dreimalalles.de.

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Das Medium Comic findet in den Massenmedien keine bis wenig Beachtung. Ja, der Feuilleton nimmt sich dem Medium in Tageszeitungen an. Ja, über eine große Comic-Messe, wie dem Comic-Salon Erlangen oder der Faszination Comic wurde auch berichtet. Allerdings sind diese Berichte gemessen an anderen Themen gefühlt unterpräsent. Das ist freilich dem mangelndem Interesse der “Allgemeinheit” am Medium Comic geschuldet. Was also im Umkehrschluss passieren muss: Comics müssen sich ihre eigenen Sekundär-Medien schaffen. Dazu gibt es bereits reichlich Ansätze. Gerade das Internet bietet sich hier als ultimative Verbreitungsplattform an und löst klassische Fanzines, wie sie früher einmal Mode waren, im großen Stile ab. Es bilden sich Netzwerke und Portale, aber auch private Blogger berichten über ihre Leidenschaft zum Comic. Das geschriebene Wort reicht jedoch längst nicht mehr aus. Über Comics will gesprochen werden.

Hier kommen die Podcasts ins Spiel. Dabei ist es zunächst einmal völlig egal, ob es sich um Audio-Podcasts oder Video-Podcasts handelt. Comics bekommen in dieser Form ihre eigenen “Radio-” oder “TV-Sendungen”. Ich beobachte in den letzten zwei-drei Jahren einen kleinen Boom der Comic-Podcaster. Natürlich rechne ich das auch dem Umstand zu, dass wir mit den Comic-Cookies einen eigenen Podcast gestartet haben und ich mich deswegen umsehe / bzw. umhöre, mir also so immer mehr Podcasts zum Thema Comics unterkommen. Wichtig ist die Umsetzung, wenn man mit dem Gedanken spielt, einen Podcast zu starten.

Was ist aber nun eigentlich besser, ein Video- oder ein Audio-Podcast? Für den Macher bedeutet ein Video-Podcast sicherlich den größeren Aufwand. Den Zuschauer kann – je nach Ausführung – das Bild hier eher ablenken. Das beobachte ich zumindest bei mir recht häufig. Zudem sollte man sich als Zuschauer für einen Video-Podcast Zeit nehmen. Die Begrenzung auf Audio bietet für mich das unschlagbare Feature, dass ich die Episoden – sofern ich den Audio-Podcast vorher auf mein Smartphone geladen habe oder über entsprechendes mobiles Datenvolumen verfüge – jederzeit hören kann: beim Auto fahren, beim Laufen, bei der Arbeit, sofern diese nicht meine volle Konzentration fordert … also immer dann, wenn ich auch Radio hören könnte und nicht hinschauen muss oder kann. Freilich ist hier ein mobiles Abspielgerät die ideale Voraussetzung, also eben ein Smartphone oder ein MP3-Player.

Was ist zu beachten, wenn man selbst einen Podcast starten möchte?

Malte und Zeli, selbst ausgewiesene Nerds, sprechen zu den Nerds. Mit ihrer Comicreview-Show haben sie vor kurzem die 50. Episode erreicht.

Bei einem Video-Podcast, den man aufgrund des visuellen Mediums Comic vielleicht am ehesten anstreben würde, müsste alles passen: Ton, Auflösung des Bildes und Ausleuchtung. Schließlich will man auch etwas erkennen können. Die Verbreitung selbst ist dank Youtube und Konsorten vergleichsweise einfach geworden. Das mit Sicherheit am professionellsten produzierte Beispiel hier ist mit Sicherheit “aufgezeichnet.tv”. Im kleineren Rahmen, aber dennoch recht erfolgreich, tun das die Jungs von “nerds2nerds”.

Kapitel sind sinnvoll, sobald mehrere Comics besprochen werden. Kapitelbilder können dem Hörer schließlich visualisieren, welche Comics besprochen werden. Dies sind die Kapitelbilder der 26. Episode der Comic-Cookies.

Wir hatten uns schließlich für einen Audio-Podcast entschieden, weil es uns darum ging, über Comics zu reden. Wir wollen vor allem gehört werden, nicht gesehen. Bei einem Audio-Podcast hat man die oben genannten visuellen Probleme nicht. Hier muss zunächst lediglich auf Audio geachtet werden. In der Nachbereitung kann man den Service schließlich variieren. Sogenannte Shownotes bieten die Möglichkeit, besprochene Comics zu verlinken. Kapitelmarken an sich halte ich für den Fall unverzichtbar, dass mehrere Comics besprochen werden. Schließlich soll der Hörer die Möglichkeit bekommen, Titel, die ihn nicht so interessieren, zu überspringen. Diese Entscheidung habe ich bei geschriebenen Rezensionen schließlich auch: interessiert mich ein besprochener Titel schlicht und ergreifend nicht, lese ich den Beitrag dazu auch nicht. Den einzelnen Kapiteln lassen sich sogar Bilder der besprochenen Comics zuordnen. Je nach der Art und Weise, wie der Hörer den Podcast nachher konsumiert, kann er auf diese Features zugreifen. Bei den Comic-Cookies achte ich auf solche Details, auch, weil der Podcast zusätzlich zu Blog und Feed über Youtube verbreitet wird. Hier werden dann die entsprechenden Kapitel-Bilder angezeigt.

Es muss nicht gleich die beste Technik sein, wie die vom Kollegen Dirk von „Das Alles“.

Die Einstiegsmöglichkeiten für einen Audio-Podcast sind relativ moderat. Ich schreibe an der Stelle ausschließlich vom Audio-Podcast, da wir eben einen solchen machen und da auch irgendwie anfangen mussten. Getan hat’s in unserem Fall in den ersten Episoden mein iPhone mit angeschlossenem iRig-Mikrofon. Einen besseren Sound versprach ich mir später durch die Lösung, direkt auf den Laptop aufzuzeichnen. Den Ton sollte dabei ein Samson-Meteor-Mikrofon übertragen. Leider war das Ergebnis nicht das erwartete. Heute bin ich mir sicher, dass das lediglich an falschen Einstellungen lag. Nichts desto trotz suchte ich nach einer Alternative für’s Aufzeichnen – eine, die nichts anderes macht. Gestoßen bin ich auf die Firma Zoom. Das H1 war für mich die erschwinglichste Variante, dies auszuprobieren. Der Sound überzeugte. Die Datenverarbeitung funktioniert in etwa, wie bei einer Digitalkamera: aufgezeichnet wird auf eine SD-Karte (die Speichergröße ist frei wählbar) und per SD-Kartenslot oder durch Anschließen des Aufnahmegeräts an den Computer können die Daten überspielt werden. Für den Fall, dass mal direkt auf den Computer aufgenommen werden soll, lässt sich das H1 sogar als Mikrofon einsetzen. Selbiges gilt für das H2, das noch ein paar mehr Features bietet (Kapitelmarken, verschiedene Mikrofonausrichtungen und Fernbedienung) und welches wir seit diesem Jahr im Einsatz haben. Beide Geräte sind auch kompakt und handlich und können so gut mitgenommen werden. Zum Comic-Salon hatten wir also sogar beide Geräte im Einsatz. Geschnitten werden die Episoden dann mit dem kostenlosen Programm audacity, während ich für die Postproduktion dann nochmal den Webdienst von auphonic in Anspruch nehme, der die Audiodatein automatisch normalisiert und eventuelle Nebengeräusche vermindert. Zwei Stunden Audio-Produktion pro Monat sind dort frei.

Per RSS-Feed, per Download, per Youtube, Soundcloud oder über alle Wege – wie Ihr veröffentlicht, richtet sich nach euren Kenntnissen und / oder Investitionen.

Veröffentlicht werden unsere Episoden nun via RSS-Feed zu iTunes oder per Direkt-Abo. Da ich mich mit der Feed-Generierung an sich nicht auskenne und auch unser Webspace eigentlich viel zu klein für solche Audiodateien ist, habe ich mich hier für den Hoster Podcaster.de entschieden, der mir Monat um Monat weitere 250 MB zur Verfügung stellt und gleichzeitig den RSS-Feed liefert. Zudem werden die Episoden in unserem Blog zum Download angeboten und zusätzlich per Youtube-Player eingebunden. Wem die reine Veröffentlichung über Youtube genügt oder wer bereits einen geräumigen Webspace besitzt und sich zudem mit der Erstellung des RSS-Feeds auskennt, kann auch hier schon sparen. Alternativ stehen noch freie Hosting-Dienste, wie zum Beispiel Soundcloud oder audioboo, zur Verfügung, auch wenn dort das freie Hosting ebenfalls zeitlich begrenzt ist.

Das war’s dann eigentlich. Die Inhalte finden sich mit dem Mut, etwas aufzunehmen. Das machen, wie eingangs erwähnt, neben uns bereits einige Podcaster mehr, von denen ich kurz ein paar ausgewählte vorstellen möchte:

  • Zettgeist – Das Comic-Podcast-Urgestein in Deutschland, entstanden aus redaktionellen Besprechungen des Zwerchfell-Verlags. Früher gab es „Zettgeist“ als Audio- und Video-Podcast. Mittlerweile erscheint er nur noch als Video-Podcast auf Youtube.
  • micomics.de – Eigentlich ist micomics.de ein Comic-Portal mit Rezensionen, Kolumnen und Beiträgen rund um’s Thema Comic, welches ebenfalls einen Audio-Podcast, aber auch Youtube-Videos präsentiert.
  • Comic Review und Hunting Down Comics – Daniel Raetsch bespricht in jeder Episode von “Comic Review” einen Comic-Band. In etwa einmal im Monat bespricht er dann in “Hunting Down Comics” gemeinsam mit Helge Vogt mehrere Titel.
  • Das Alles – Dies ist kein reiner Comic-Podcast, sondern eher ein Podcast um so ziemlich Alles, wie der Titel schon vermuten lässt. Comics nehmen im Podcast von Andi und Dirk aber dennoch viel Platz ein.
  • Megamagisch – Arne widmet sich den phantastischen Welten der Nerdkulturen. Im Mittelpunkt stehen dabei natürlich auch immer wieder Comics. Unterstützt wird er dabei seit kurzem von Sarah Burrini.
  • Yay, Comics! – Auch Carlos Stockhausen widmet sich in seinem Podcast mit verschiedenen Mitstreitern dem Thema Comics.

Dies ist, wie bereits erwähnt, lediglich eine persönliche Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Aus der Nische in die Nische – so würde ich das Verhältnis Comics und Podcasts bezeichnen. Ich bin mir sicher, dass die Leidenschaft Comic durch die mediale Verbreitung von Podcasts weitere Zielgruppen erreichen kann, denn eins sind wir schließlich in beiden Lagern: Nerds. 😉

Kategorien:Magazin

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