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Manara Werksausgabe 14 – Jolanda de Almaviva

Manara Werksausgabe 14 – Jolanda de Almaviva

Bis vor wenigen Jahren sind die Werke des italienischen Kultzeichners Milo Manaras in Deutschland bei diversen Verlagen in unterschiedlichen Formaten erschienen, z.B. bei Carlsen und Schreiber & Leser. Panini Comics hat es sich seit 2009 zur Aufgabe gemacht, Manaras Arbeiten als Werksausgabe herauszubringen. Das bedeutet einheitliches Großformat, Hardcover, Schutzumschlag und hochwertiges Papier. Natürlich gibt es dazu viel Bonusmaterial. Darunter sind viele Klassiker erschienen, z.B. Indian Summer oder El Gaucho.

Mit „Jolanda De Almaviva “ hat Panini nun bislang in Deutschland unveröffentlichtes Material heraus gesucht. Die Serie erschien Anfang der 70er Jahre in Italien im für das Land typische schwarz-weißen Taschenbuchformat, so wie man es von anderen italienischen Serien wie Dylan Dog oder Diabolik kennt. Im Original waren meist 2 Panels pro Seite abgebildet, für die Werksausgabe wurde größtenteils 4 Seiten pro Albumseite verwendet, Ausnahme bilden ganzseitige Zeichnungen der Titelheldin. Die Zeichnungen wurden außerdem nachträglich koloriert.

Die Piratenbraut Jolanda ist die Tochter des schwarzen Korsaren, und erlebt mit ihrer Mannschaft allerhand spannende und erotische Abenteuer. Gleich zu Beginn wird sie, während sie sich sinnlichen Genüssen hingibt, von üblen Gestalten entführt, die sie versklaven bzw. mit ihrem sinistren Herrscher vermählen wollen. Die Unbekleidete wird zusammen mit 2 weiteren Damen gefesselt, und in die Burg der Angreifer verfrachtet. Unterdessen versucht der männliche Teil der Mannschaft, angeführt von Leutnant Jean Lafayette, die Verfolgung aufzunehmen, was zu einer blutigen Tour de Force ausartet. Zeitgleich wird Jolanda, die sich als äußerst widerspenstig herausstellt, in Ketten gelegt und gefoltert, um ihren Willen zu brechen. Doch sie kann standhalten, und findet ihrerseits einen Fluchtweg – nicht ohne sehr gewaltsam gegen ihre Verfolger vorzugehen. Doch zeitgleich haben sich Teile der Mannschaft verkleidet in die Burg geschlichen …

Fazit

Wie aus dem umfangreichen Vorwort hervorgeht, ist Milo Manara nicht stolz auf seine frühen Werke. Die Zeichnungen haben verständlicherweise nicht die Perfektion der späteren Jahre, was auch dadurch zustande kam, daß Manara innerhalb kurzer Zeit sehr viel Material produzieren mußte, um sein Leben finanzieren zu können. Auf die erzählte Geschichte hatte er keinen Einfluß, die Serie wurde von unterschiedlichsten Autoren geschrieben, in den von Manara gezeichneten Episoden waren das Renzi, Gaburro und Gramegna.

Die im Zeitschriftenhandel erhältlichen Taschenbücher setzten auf ein bis heute bewährtes Konzept – Sex und Gewalt. So ist die Titelheldin größtenteils unbekleidet oder in aufreizender Bekleidung zu sehen – Sinn und Zweck war hier weniger eine nachvollziehbare Geschichte zu entwickeln, sondern möglichst viel nackte Haut zu zeigen. Das ganze wird variiert durch diverse Fessel- und Folterszenen, und auch Sex und Vergewaltigungen werden auf Softpornoniveau dargestellt.

Die Rahmenhandlung entspricht den üblichen Piratengeschichten, jedoch mit expliziter Gewaltdarstellung – da wird schon mal ein Schädel gespalten, oder auch ein Auge aus dem Kopf heraus geschlagen. Kein Wunder also, daß der Band eingeschweißt geliefert wird. Die neuen Farben sind am Computer generiert worden, jedoch sind die Farben gewählt worden, wie man sie in einem Abenteuercomic aus der Zeit erwarten würde.

„Jolanda De Almaviva“ ist sicherlich nicht für den Einstieg in die Welt von Milo Manara geeignet – da sollte man eher beispielsweise zu Indian Summer greifen. Vielmehr richtet sich der Band an Altfans, die alles von ihm in dieser schönen Werksausgabe haben wollen, und sich über das neue „alte“ Material freuen, denn auch in den Taschenbuchzeichnungen kann man schon den typischen Stil erkennen, auch wenn die Zeichnungen weniger aufwendig gestaltet sind.

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