Rezensionen

„Wer ist hier die Mutter?“ von Alison Bechdel – Selbst Freud ist gelangweilt

„Wer ist hier die Mutter?“ (Kiwi-Verlag) | 304 Seiten, gebunden | 22,99 €

Da steht Sie vor dir. Nackt. Hat alle Hüllen fallen lassen und zeigt neckisch ihre Nacktheit. Schließlich öffnet sie sinnlich ihren Mund „Ich denke dein konzentriertes Fokussieren auf meine sekundären Geschlechtsorgane ist bedingt durch deine in der Oralphase ausgelebtem Bedürfnis nach mütterlicher Brustversorgung“ und redet mir ein theoretisch vollgekleistertes Schnitzel an die Backe.

Kurzer Trip in Alison Bechdels „Fun Home“

Alison Bechdel habe ich durch die Graphic Novel „Fun Home“ kennengelernt. Das war ein autobiografischer Ausflug von Alison und ihrem Verhältnis zu ihrem Vater und dessen geheimes sexuelles Doppelleben. Ihr Vater war schwul und hat sich deswegen das Leben genommen. Das klingt auf jeden Fall nach einer definierten Handlung. Wie ging man mit dem Tod um? Wie passierte es? Was für Auswirkungen hat der Tod auf die Familie?

Langgezogener Marsch  zu „Wer ist hier eigentlich die, Mama?“

Und jetzt kam das Nachfolgewerk mit dem Titel „Wer ist hier eigentlich die Mama?“ Ein Comicdrama. Worum geht es? Das ist das Problem, ich kann es nicht mal zusammenfassen, weil es keine Geschichte mit Anfangs- und Endpunkt ist, sondern es ist die Beschreibung eines Verhältnisses. Eines komplizierten Verhältnisses von homosexueller Tochter zu einer konservativen Mama. Das ist es in Kürze. Mehr ist es wirklich nicht. Und das ist das Schlimme.

Man weiß leider nicht worauf das Ganze zusteuert. Man wird in 8 Millionen Theorien rein geschmissen und immer mal wieder von Situationsbeschreibungen unterbrochen. Es kann sein, dass ich zu lange keine Klassiker mehr in Schriftform gelesen habe (meine Faust und Werther- Zeit ist etwas her), aber es fühlt sich wie eins dieser Bücher an, die man in der Schule lesen musste und darum Scheiße fand. Und leider geht es mir bei diesem Comic nicht anders. Keine Spannung, kein Anfang und kein Ende, zuviel Blabla = Langeweile hoch 2!

Vom Leben und Alison Bechdel gezeichnet

Die Zeichnungen passten wie schon bei Fun Home zu einer Schilderungen eines unsicheren Erzählers, keine deckende Farben und dezent eingesetzt mit verringerter Farbsättigung passen gut zusammen.

Und für wen soll das Ganze sein?

Leider reißt die langweilige Geschichte alles runter und ich habe mich echt durchgequält. Meine Empfehlung gilt also den betuchten verkopften Lesern, die mit den filigranen Gefühlswandlungen eines unsicheren Ichs klar kommt. Also im Moment nichts für mich und ob es was für euch ist, müsst ihr entscheiden.

1 reply »

  1. Ich dachte ja zunächst, der Comicer würde etwas übertreiben, aber ich muß vollkommen beipflichten.
    Von Fun Home war ich ein großer Fan, wie schlecht könnte es also sein? Positiv sind die Rückblicke, in denen Alison Bechdel autobiographisch aus ihrem Leben berichtet. Nervig sind hier die ewigen Therapiegespräche, Ausflüge in Fachliteratur und Theatherstücke. Ich habe sehr lange an dem Band gelesen, weil ich mich immer wieder dazu aufraffen mußte.Sehr schade, meinen Nerv hat es nicht getroffen.

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