Rezensionen

Daredevil Megaband 1: In den Straßen von San Francisco (Panini Comics)

Daredevil Megaband 1: In den Straßen von San Francisco | Panini Comics | 308 Seiten – Softcover | 24,00 €

Bei DC Comics ist es in den letzten Jahren zu einer Gewohnheit geworden, daß gesamte Universum zu rebooten, um neue Leser nicht mit einer in Jahrzehnten Aufgebauten Continuity abzuschrecken. Altleser werden damit aber regelmäßig vor den Kopf gestoßen, wenn die geliebten Geschichten plötzlich nie stattgefunden haben, wie man z.B. bei den Star Wars Comics sieht, die rechtemäßig von Dark Horse zu Marvel gewandert sind, und wo plötzlich nichts mehr von Dark Horse Bestand haben soll.

Bei den Superhelden ging Marvel hingegen sanfter vor. „Marvel Now!“ verschaffte potentiellen Neulesern einfache Einstiegspunkte, um ohne viel Hintergrundwissen in Serien einsteigen zu können. Die ersten 12 Ausgaben von „Marvel Now!“ Daredevil hat Panini Comics nun gesammelt in diesem Megaband herausgebracht.Kaum eine Superheldenfigur hat in den letzten Jahrzehnten so gelitten wie der blinde Anwalt Matt Murdock. Freundin ermordet, seelisch ausgebrannt, noch ne Freundin ermordet, besessen, und dann noch ein Film mit Ben Affleck – das waren Leiden biblischen Ausmaßes, die mit denen von Hiob konkurrieren könnten. Ist das etwa der Preis dafür, wenn man sich dafür entschließt, in einem Teufelskostüm auf Verbrecherjagd zu gehen?

Bei „In den Straßen von San Francisco“ ist das glücklicherweise anders. Daredevils Identität ist ja schon seit Jahren ein offenes Geheimnis, das Matt Murdock mal mehr, mal weniger gut vertuschen konnte. Nun jedoch geht er offen mit seinem Vigilantentum um, und hat sogar mit seiner Freundin, einer ehemaligen Staatsanwältin, in San Francisco eine Kanzlei aufgemacht, und New York den Rücken gekehrt. An der Westküste geht man offener mit ihm um, und nicht wenige Klienten wollen seine Dienste, eben weil er Daredevil ist.

Natürlich ist Kalifornien auch nicht frei von Verbrechen, und so trifft er einige alte Bekannte wieder wie Owl oder den Purple Man, die mal in einem, mal in mehreren Heften verarztet werden. Das Ganze ist sehr dynamisch und humorvoll erzählt, weit entfernt von seinen persönlichen Katastrophen wie z.B. Shadowland. Nur einen stört der neue Held in der Stadt: den ebenfalls blinden Kostümierten namens Shroud, der Frisco als sein Zuständigkeitsgebiet betrachtet.

Fazit

Mark Waid, der sich als Autor für den Großteil der Hefte verantwortlich zeichnet, wandert auf dem schmalen Grad zwischen Neuleserfreundlichkeit und alter Continuity, was ihm aber erstaunlich gut gelingt. Informationen, etwa zum sozialen Umfeld von Matt Murdock, werden geschickt in die Handlung verwoben, so daß erst gar keine Fragen auftauchen. Auch die alten Feindschaften werden in den Kontext eingewoben.

Das neue Szenario in San Francisco wird glaubhaft dargestellt, etwa den Mangel an Häuserschluchten, die in New York ja das schnelle Schwingen und Vorwärtskommen von vielen Metas ermöglichen. Apropos Darstellung: die leicht cartoonige, sehr bunte Optik der Serie wird konsequent von den vielen beteiligten Zeichner wie Peter Krause, Chris Samnee oder Javier Rodriguez durchgezogen, was visuell das genaue Gegenteil des damals sehr dunkel gehaltenen Runs von Alex Maleev ist. Letzterer ist in Ausgabe 12 übrigens auch enthalten, ebenso wie Autor Brian Michael Bendis, die in Ausgabe 12, dem Jubiläumsheft zu 50 Jahre Daredevil, enthalten sind. Auch diese Ausgabe hat natürlich etwas besonderes. Es werden verschiedene (fiktive?) Zukunftsszenarien gezeigt, wo Matt Murdock z.B. einen Sohn hat.

Insgesamt ein sehr guter Band, bei dem auch Leser zugreifen können, die Daredevil bislang nur von der Netflixserie kennen.

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