Rezensionen

Schattenspringer 2 – Per Anhalter durch die Pubertät (Panini Comics)

Schattenspringer 2 – Per Anhalter durch die Pubertät | Panini Comics | 160 Seiten – Hardcover | 19,99 €

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass der erste Band namens Schattenspringer erschien, und schnell bekannt wurde, was für ein Erstlingswerk nicht selbstverständlich ist. Aber die autobiographische Graphic Novel, in der Daniela Schreiter, Autorin und Zeichnerin, über den Umgang mit dem Asperger-Syndrom in ihrer Kindheit berichtet, hatte genau die richtige Mischung zwischen humorvoller Lebensgeschichte und Information.

Da sie selbst am Asperger-Syndrom leidet, weiß sie: Jede Form von Autismus ist individuell und kann vollkommen anders sein als die Schubladen „Rain Man“ oder „Das Mercury Puzzle“. In diesem Band schildert sie mit sich selbst als Beispiel, wie das Leben für Autisten sein kann. Dabei wird die gesamte Entwicklung von der Pubertät bis ins Erwachsenenalter dargestellt.

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Daniela fiel, durch den Autismus bedingt, vieles schwerer als anderen Kindern und Jugendlichen. Die Entwicklungsstörung sorgt nämlich dafür, daß sie die Welt vollkommen anders wahrnimmt als andere. Der natürliche Filter des Gehirn der dazu dient, wichtige von unwichtigen Informationen zu trennen, fehlt ihr. So kann sie viele und laute Geräusche nur schlecht ertragen, da alles auf einmal auf die einströmt.

Gerade in der Pubertät fällt dann der Autismus natürlich doppelt ins Gewicht. Die Phase, in der der eigene Körper seltsame Dinge macht, man unter hormonellen Stimmungsschwankungen leidet und um Anerkennung in der Gruppe buhlt ist für jeden eine heftige Erfahrung, aber Daniela muß noch viel mehr Energie dafür aufwenden.

Doch wie nimmt man erste Beziehungen, erste sexuelle Erlebnisse und den eigenen Körper wahr, wenn man viel intensiver fühlt und hört? Da kann beispielsweise der erste BH als kompletter Fremdkörper erscheinen, oder eine Disco, die für andere ein angesagter Treffpunkt ist, zur akustischen Hölle werden, aus der man nur schnell raus will. Auch spannend: der Moment, in dem man erkennt, dass man nicht der einzige mit diesen Symptomen ist.

Das ganze wird hier episodenhaft und sehr unterhaltsam rüber gebracht, also nicht als „Leidensgeschichte“, sondern als humorvolles Leben mit besonderen Anforderungen. Sehr persönlich und verständlich vermittelt sie dabei „ihre“ Welt.

Die Zeichnungen sind dabei cartoonig gehalten. Koloriert sind jedoch nur die 8 Seiten, dass Rest des Bandes ist in Schwarzweiß gehalten. Besonders die eigene Wahrnehmung ist dabei gelungen, z.B. wenn Daniela Fühler bekommt, wenn sie sich wieder fühlt, als wäre sie ein Alien auf einem fremden Planeten, oder wenn sie sich selbst als Rapunzel darstellt in der Phase, in der sie lange keine Beziehung hatte. Dieser mit Metaphern gespickt Zeichenstil drückt Schattenspringer seinen eigenen Stempel auf und sorgt dafür, daß man sich möglichst gut in die Gefühlswelt rein denken kann. Natürlich ist auch der Fuchs wieder dabei, mit dem es lustige Selbsterkennungs-Dialoge gibt.

Mir hat schon der erste Band sehr geholfen, Autismus besser zu verstehen, und hier ist es nicht anders. Aber, und das ist noch viel wichtiger, er hat mich wieder ausgezeichnet unterhalten. Ich freue mich schon auf den nächsten Band! Mehr Material von Daniela Schreiter gibt es auf www.fuchskind.de.

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