Rezensionen

Crossed + Einhundert 1 (Panini Comics)

Crossed + Einhundert 1 | Panini Comics | 148 Seiten – Softcover | 19,99 €

Manchmal geschehen Dinge, die man nie vermutet hätte. Bei den ersten Veröffentlichung von Crossed mutmaßten noch viele, die Horrorserie würde nicht lange laufen, und wäre nicht mehr als ein Klon von The Walking Dead. Weit gefehlt. Das Konzept Zombieserie mit kranken Humor und extremen Goreanteil bringt, auch durch immer neue Kreativteams und Ansätze, immer mehr Geschichten aus der Welt der Gefirmten unter die Leser. Dass jedoch Kultautor Alan Moore nun auch Teil von Crossed wird, ist doch mehr als überraschend.

Im Vorwort outet sich der sehr eigene Brite gar als Fan der Serie. Dass es dabei nicht bei der Wiederholung eines bereits gezeigten Konzepts bleiben würde, war auch klar. Alan Moore zeigt uns eine Welt, die Einhundert Jahre nach dem ersten Auftauchen der Gefirmten angesiedelt ist, im Endeffekt also die Endzeit nach der Apokalypse. Bei den anderen Crossed-Serien sah man die Welt, wie sie kurz nach der Epidemie bzw. nur wenige Jahre nach der Epidemie war. Nun jedoch haben die Verhältnisse geändert. Die Menschen haben sich organisiert, und zu kleinen, gut bewachten Städten zusammen gefunden. Heiß im Kurs stehen daher Bücher aus der Vergangenheit, denn 100 Jahre später heißt in dem Fall auch, dass nun die Kinder und Enkel der beim Ausbruch anwesenden Menschen leben, die keine Zivilisation kennen, und Wissen nicht einfach googeln können. Dieses Internet gibt es nicht, es wird stattdessen versucht, ein verlässliches Funknetz aufzubauen.

Die Gefirmten hingegen sind stark dezimiert und veraltet, was bei dem Lebenswandel der Erkrankten nicht wunderlich ist. Dadurch, dass es eine starke Fixierung auf Sex und Gewalt gibt, konnten sie sich schlecht vermehren, und wenn doch mal eine schwangere Gefirmte ein Kind zur Welt bringen konnte, wurde dieses gern als willkommener Snack betrachtet. Die Folge ist, dass es nur noch wenig Aufeinandertreffen gibt, und wenn, lassen sich die Gefirmten schnell ausschalten, denn die Menschen haben zwischenzeitig deren Inhumierung optimiert.

Future Taylor ist eine junge Dame, deren Job es ist, das Archiv ihrer Stadt zu füllen. Während die ersten Überlebenden in erster Linie Nahrung und Waffen als Ziel hatten, ist nun die Erlangung von Wissen Ziel von so mancher Expedition in unbekanntes Land, denn bekanntlich ist Wissen ja Macht.

Da sie sehr gern liest, mag sie nicht nur Do-it-yourself- und Fachbücher, sondern auch erfundene Geschichten, z.B. Science-Fiction, die sie „Wünsch-Fiction“ nennt, weil ihr vieles so geordnet utopisch darin vorkommt. Wie könnte es aber anders sein, eine ihrer Expeditionen verläuft anders als geplant, und es kommt zu Toten unter ihren Freunden, obwohl sie mit einem gepanzerten, mit Dampfkraft betriebenen Fahrzeug unterwegs sind. Und einige Dinge scheinen doch anders zu sein, als die Überlebenden sich das vorgestellt haben…

Fazit

Alan Moore hat hier eine sehr schlüssige Fortsetzung von Crossed in der Zukunft geschrieben. Bei vielen Dingen denkt man: Ja, genauso könnte es sich entwickelt haben, z.B. bei den befestigten Lagern, zu denen sich Überlebende in Interessengemeinschaften zusammenschlossen. Ähnliches sah man ja auch oft in anderen Serien wie z.B. TWD, doch Moore hat noch weitere realistische Änderungen parat. Eines der Themen ist Religion. So macht er klar, warum z.B. der Islam in abgewandelter Form überlebt hat, und andere Religionen eher nicht, oder wie sich die Namensgebung der Menschen und die Bezeichnung für manche Orte verändert hat. Gabriel Andrade ist ja bereits von anderen Avatar-Serien wie Ferals bekannt, und zeigt uns eine sehr detailreiche Zukunft, die ebenfalls realistisch erscheint, speziell was Bekleidung, Gebäude und ähnliches betrifft.

Ein wenig Probleme hatte ich bei der verwendeten Sprache. Diese hat sich in 100 Jahren natürlich auch verändert, und viele Begriffe wurden durch andere ersetzt, z.B. statt „ich denke“ benutzt man nun „ich hirne“. Viele Begriffe aus der Gamersprache fanden Einzug. Ich finde solche Änderungen ja ganz charmant, z.B. bei „Der dunkle Turm“ von Stephen King. Allerdings nimmt mir hier die Änderung zu sehr überhand, zum Nachteil des Leseflusses. Da wäre weniger eindeutig mehr gewesen, zumal ja auch Bücher existieren, aus der beim Lesen die Sprache vor der Katastrophe ja ersichtlich wäre.

Ansonsten aber ein spannender Band mit neuen Schwung für das Konzept von Crossed, der zwar nicht zu dem besten Werken von Moore wie z.B. Watchmen zählt, aber ein durchschnittlicher Moore ist immer noch besser als die meisten anderen.

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