Rezensionen

Providence 1 (Panini Comics)

Providence 1 | Panini Comics | 176 Seiten – Softcover | 19,99 €

Was Alan Moore anpackt, macht er in der Regel richtig. Seine Interpretation von Superheldenthemen, z.B. „Superman: Whatever happened to the Man of Tomorrow?” oder “Batman: The Killing Joke” sind Klassiker geworden, und sein “Watchmen” revolutionierte gar ein ganzes Genre. Auch abseits von Spandex schuf er mit Werken wie „From Hell“ oder „V wie Vendetta“ und vielen anderen Höhepunkte der 9. Kunst Meilensteine, und wurde so zur Legende. Nun hat sich der Brite das Werk von H.P. Lovecraft heraus gesucht. Der Anspruch: Providence soll zum Watchmen des Horrorgenres werden!

Providence erzählt die Geschichte von Robert Black, seines Zeichens Reporter bei der New Yorker Zeitung Herald im Jahre 1919. Robert muss einen privaten Schicksalsschlag verdauen, und stürzt sich in die Arbeit. Seine Nachforschungen zu einem geheimnisvollen Buch führen den Journalistendurch verschiedene Städte Neuenglands, wo er feststellt, dass die Welt doch wesentlich anders ist als das was er sich darunter vorgestellt hat. Ob in dunklen Wohnungen in New York, kleinen Fischerstädtchen oder abgelegenen Farmen, Robert lernt das Grauen hinter der Fassade des Alltäglichen kennen, und muss sich langsam fragen ob er nicht selbst wahnsinnig ist…

Fazit

Bei jedem Werk von Alan Moore merkt man, wie sorgfältig er recherchiert und auf Details achtet. So wurden beispielsweise bei Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman kleinste Details aus der Pulp-Historie der Figuren mit in die Geschichte aufgenommen und verschmolzen, und zwar so detailliert, dass sich ganze Homepages den Einzelheiten widmen. Auch hier hat Moore sich sehr intensiv mit den Geschichten von H.P. Lovecraft beschäftigt, und verschmolz die einzelnen Geschichten zu einem Gesamtwerk. Namen und Schauplätze wurden umbenannt, aber Fans von H.P. Lovecraft dürften relativ schnell heraus haben, um welche Erzählungen es sich handelt, die anderen können unvoreingenommen die Szenarien genießen, die die besondere Faszination von Lovecrafts Horror ausmachen. Hier ist es eben nicht der Werwolf, die Mumie oder der Vampir, sondern eine viel dunklere Art der Angst, die entfacht wird.

Die Zusammenarbeit von Alan Moore und Jacen Burrows am Werk von H.P. Lovecraft und dem Cthulu Mythos wurde nach The Courtyard 1-2 und Neonomicon 1-4 (in Deutschland im Band Neonomicon bei Panini erschienen) hier nun fortgesetzt. Burrows realistischer, ja nüchterner Stil eignet sich ungemein, um die Gegensätze zwischen rationaler Welt und Horror aufzuzeigen. Sehr viel Wert wurde auf kleine Anspielungen gelegt, die überall in der Geschichte verteilt sind. Auch hier muss man offenbar Lovecraft-Kenner sein, um alles zu entschlüsseln, der Lesefluss wird jedoch nicht behindert.

Am Ende jedes enthaltenen US-Heftes hat Moore das Tagebuch von Robert Black beigefügt, aus dem der Leser sehr genau über dessen Sichtweise der vergangenen Ereignisse informiert wird. Mehr noch, es kommt zu einer sehr intimen Sicht in die Psyche des Protagonisten, der mehr als ein Geheimnis in seinem Herzen trägt. Auch andere „Fundstücke“ sind diesem Tagebuch beigefügt, z.B. der Gemeindebrief einer obskuren Gemeinde oder die Zeichnungen einer Dame, der Robert im Laufe der Geschichte begegnet. Keine Sorge, die Fundstücke nehmen nicht Überhand wie z.B. in Black Dossier, und haben immer starken Bezug zur Geschichte.

Im Band enthalten sind alle Cover der US-Ausgaben inklusive aller Variantausgaben sowie einige Erläuterungen von Antonio Solinas, der einiges zur Interpretation des Werkes beisteuert. Insgesamt also eine runde Sache für Fans von H.P. Lovecraft und alle, die es werden wollen. Kann nur sein, dass ihr beim nächsten Restaurantbesuch auf die Meeresfrüchte verzichtet.

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