Rezensionen

Ein Sommer am See (Reprodukt)

Ein Sommer am See | Reprodukt | 320 Seiten, einfarbig (Pantone), Klappenbroschur | EUR 29,00 | © Reprodukt

Wer erinnert sich nicht gern an die Sommer seiner Kindheit? Als die Ferien ewig lang erschienen, die Freunde die man hatte die besten waren, und die Sonne jeden Tag lachte. Egal ob auf dem Campingplatz, an der Nordsee oder Spaniens Stränden, das waren die besten Tage im Leben des ein oder anderen…

Auch Rose freut sich wie immer auf die Sommerferien. Wie in jedem Jahr mieten ihre Eltern ein Haus an dem kleinen See in Awago, Kanada, wo sie jeden Baum und Stein kennt, und wie jedes Jahr freut sie sich auf Windy, ihre etwas jüngere Freundin, um mit ihr den Sommer zu verbringen.

Die beiden spielen am Strand, grillen mit ihren Eltern, und gehen in den kleinen Laden, um sich Fruchtgummi und anderes Naschwerk zu kaufen. Doch etwas ist anders in diesem Jahr. Rose steht kurz vor dem Eintritt in die Pubertät, und hat eine besondere Faszination für den älteren Jungen, der in dem kleinen Laden arbeitet, was Windy überhaupt (noch?) nicht nachvollziehen kann. Genau kann Rose die Anziehung auch nicht deuten, trotzdem nutzt sie jede Gelegenheit, um in den Laden, und somit in seine Nähe zu kommen. Um zu beweisen, wie „erwachsen“ sie schon ist, leiht sie sich dort einige Horrorfilme aus, was jedoch einige Albträume bei Windy auslöst.

Auch familiär ist nicht alles in Butter. Zwischen den Eltern von Rose herrscht oft Schweigen, und gerade ihre Mutter scheint oft abwesend oder genervt. Da hilft auch der sprichwörtliche Humor ihres Vaters nicht, auf den sie sich sonst immer verlassen hat. Als ihr Vater nach einem lauten Streit das Ferienhaus verlässt, und ihre Mutter die Gespräche mit ihr einstellt, ist das Gefühlschaos der Teenagerin perfekt…

© Reprodukt


Fazit

Die beiden Cousinen Mariko und Jillian Tamaki haben gemeinsam diese bezaubernde Graphic Novel über das Erwachsenwerden geschaffen, die schon mehrfach ausgezeichnet wurde, u.a. mit dem Michael L. Printz Award. Dies ist nicht die einzige Zusammenarbeit der beiden, auch ihr 2008er Werk Skim (bislang nicht in Deutschland erschienen) hat seinerzeit viele Preise abgeräumt.

Die Stärke dieser Geschichte ist die sanfte Erzählweise, die den Leser das Geschehen aus der Sicht von Rose und Windy sehen läßt, mit allen Unsicherheiten, offenen Fragen aber auch Hoffnungen, die eine angehende Teenagerin haben kann. Dabei spielt diese Sichweise bei der Auflösung eine große Rolle, und man kann sich wunderbar in die Welt zwischen Schwärmerei und harten Fakten einfinden.

Dazu kommt, dass die beiden Protagonistinnen auch sehr sympathisch und dreidimensional geschrieben sind.

Die Zeichnungen sind schwer einzuordnen, da sie sowohl größtenteils realistische Bilder, aber auch cartoonige Elemente sowie Mangaeinflüsse enthalten. Die Farben bestehen aus Schwarz- und Blautönen. Die Mischung ist sehr gelungen, gerade die Gesichtsausdrücke sind abwechslungsreich und sagen oft mehr als 1000 Worte.

Wer z.B. an Blankets oder Anyas Geist seinen Spaß hatte wird, obwohl hier ein vollkommen anderes Thema im Vordergrund steht, auch viel Freude haben. Hier steht nämlich nicht eine schnelle Actiongeschichte im Vordergrund, sondern eine sanfte, sich entwickelnde Handlung, bei der es auch einfach unterhält, wenn Rose und Windy sich austauschen, und kichernd in der Sonne liegen.

Dabei wird so mache Erinnerung an die eigene Jugend wach werden, und der Leser kann sich zurück erinnern an die magische, längst vergangene Zeit…

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