Angesehen

Batman v Superman: Dawn of Justice (Film)

Batman und Superman treffen aufeinander

„Das ist doch nur ein Film!“, höre ich Leute oft genug sagen, wenn es um popkulturelle Filmmeisterwerke geht. Ja, kann sein. Aber es gibt diese Art Filme, die so sehr im Gedächtnis bleiben, dass auf sie referenziert wird, aus denen man zitiert und die man immer wieder sehen will. Mit der Dark Knight-Trilogie hat das Warner Bros. bei mir persönlich geschafft – wenngleich hier natürlich THE DARK KNIGHT hervorgehoben werden muss. Mit GREEN LANTERN gelang dies nicht, auch wenn damit mein Lieblings-Superheld filmisch aufbereitet wurde. Bei Lieblings-Superhelden schaue ich eben ganz genau hin – und Batman ist nach GL bei mir auf Platz zwei.

Nun war ich (an)gespannt. Als Ben Affleck nach der abgeschlossenen DK-Trilogie als Nachfolger im Fledermauskostüm bekannt gegeben wurde, waren meine Gefühle gemischt. In DAREDEVIL hatte er sich bereits als titelgebender Held versucht und war – auch in meiner Wahrnehmung – nicht wirklich überzeugend. Nun sollte er Batman spielen – und dabei auf Superman treffen. BATMAN V SUPERMAN, der vorher noch unter MAN OF STEEL 2 angekündigt war, hatte eigentlich genug Potenzial. Ich hoffte darauf, dass Affleck das dieses Mal auch hatte.

Mit dem Vorgänger MAN OF STEEL hatte man einen gewissen Status Quo hergestellt, auf welchen nun aufgebaut werden konnte. SUPERMAN (gespielt von Henry Cavill) kam auf die Erde und prügelte sich mit General Zod durch Metropolis – und dies mit dermaßen beträchtlichem Schaden, dass sich die Hochbau-Industrie in Metropolis ein goldenes Näschen verdienen dürfte.

Diese Geschehnisse greift BATMAN V SUPERMAN nun nach der obligatorischen Grund-Origin Batmans (den Mord an seinen Eltern) auf. Im Übrigen ist das der einzige Teil von Batmans Origin, der hier näher beleuchtet wird – andere Aspekte, wie der verlorene Partner zum Beispiel, werden lediglich angedeutet. Zum Einstieg in die Geschehnisse dieses Films darf der Zuschauer nun Bruce Wayne über ein Rennen gegen die Zeit begleiten, denn dieser rast in einem (werbewirksam eingesetzten) Automobil durch Metropolis, während man im Hintergrund immer wieder die Kampfszene aus MAN OF STEEL sehen kann. Sein Ziel ist ein Hochhaus, welches eine Zweigstelle seiner Firma zu beherbergen scheint. Als er dieses erreicht, kommt er bereits zu spät, denn das Gebäude ist nach einem Einschlag des Stählernen schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Lässt man den oben noch so salopp beschriebenen materiellen Schaden mal ganz außer Acht, ist es natürlich die Vielzahl der Toten und Verletzten, die Supermans und Zods epische Prügelei mit sich bringt. Diese Darstellung des Stählernen passte vielen Kinogängern gar nicht. Das wird hier aufgegriffen, denn plötzlich steht Bruce Wayne symbolisch für diese Kritik am MAN OF STEEL. Er sieht in Superman eine Gefahr. Das bezieht er nicht bloß auf die Unberechenbarkeit der Schlachten des Stählernen, sondern auch darauf, dass er letztlich die ganze Welt unter seine Faust bringen könnte, wenn er dies wollte. Unterstützt wird Batmans Befürchtung durch eine Zukunftsvision, die Batman und Supermans finales, als auch brutales Aufeinandertreffen zeigt.

Diese Zukunft will Bruce Wane nun verhindern. Schnell wird klar: Auch Batman ist kein Heiliger. Den Schwur nicht zu töten, den die Fans aus den meisten Batman-Comics kennen, scheint diese Version Batmans nicht zu beherzigen. Der Dunkle Ritter ist gewillt, den Stählernen in Schach zu halten, selbst, wenn dabei der einzige Ausweg der Tod Supermans ist. Unterstützt, aber auch hinterfragt wird er dadurch von seinem Bediensteten Alfred Pennyworth (Jeremy Irons).

Lex Luthor (Jesse Eisenberg)

Lex Luthor (Jesse Eisenberg)

Eine ganz ähnliche Motivation, wie Bruce Wayne, scheint auf den ersten Blick Lex Luthor (gespielt von Jesse Eisenberg) zu haben. Auch dieser sieht den Stählernen als Bedrohung an, wenngleich sich eine Motivation später als weitaus komplizierter herausstellt. Lex möchte als Menschenfreund verstanden werden, deutet im Laufe des Filmes jedoch eine Fremdenfeindlichkeit gegen Wesen an, die nicht von der Erde kommen. Später wird dies wieder etwas relativiert und eine neue Motivation gibt sich zu erkennen: die Bezwingung eines Gottes. Dafür schreckt dieser auch nicht vor Kollateralschäden zurück.

Das erneute Auftauchen und Mitwirken von Lois Lane (Amy Adams) ist für die Motivation des Stählernen, so zu handeln, wie er es tut, unumgänglich und wichtig. Sie ist, neben Clarks Adoptiveltern, den Kents (Martha Kent, gespielt von Diane Lane und Jonathan Kent, bereits verstorben, gespielt von Kevin Costner) für ihn der Anker zur Adoptivwelt.

Gal Gadot ist Wonder Woman

Gal Gadot ist Wonder Woman

Der Film ist zugegebener Maßen sehr vollgepackt, gefühlt zu voll. Setzt man ihn in Vergleich zu seinem Vorgänger, so wirkt er geradezu gehetzt. Das macht sich vor allem in der zweiten Hälfte bemerkbar. Ließ sich MAN OF STEEL noch viel Zeit um Superman für das filmische DC-Universum aufzubauen, welches Warner Bros. nun anstrebt, ist BvS eine bildgewaltige Orgie, die mich als Fan der DC-Comics verzaubert hat. Neben den angeteaserten Superhelden Flash, Cyborg und Aquaman ist das Auftauchen und Mitwirken von Wonder Woman eins der Highlights des Films. Gal Gadot hat sich in meinen Augen als glaubhafte und überzeugende Super-Amazone bewiesen.

Allerdings bin ich der Ansicht, das hier verwendete Material hätte sich gut auf zwei Filme verteilen lassen. Dass WB dies nicht macht, vermute ich in der Tatsache, dass der große Konkurrent Disney mit dem Marvel-Franchise einige Jahre Vorsprung hat. Hier macht sich nun Warners Unentschlossenheit der letzten Jahre bemerkbar, in denen das Filmstudio im Trüben fischte, in welche Richtung ihr DC-Cinematic-Universe gehen sollte. In 2005 erschien mit BATMAN BEGINS der Auftakt zur DARK KNIGHT TRILOGIE. Ein Jahr später und völlig davon losgelöst erschien SUPERMAN RETURNS, der wiederum als Fortsetzung zum klassischen SUPERMAN II zu verstehen war. In 2012 fand die DK-Trilogie ihren Abschluss durch THE DARK KNIGHT RISES und wieder ein Jahr später und ebenfalls losgelöst davon erschien MAN OF STEEL als Start des DC-Cinematic-Universe, dessen weitere Filme unlängst angekündigt wurden. Nebenher werden die TV-Serien ARROW, FLASH, GOTHAM, CONSTANTINE, LEGENDS OF TOMORROW und SUPERGIRL ausgestrahlt, welche nur teilweise aufeinander aufbauen, mit dem DC-CU allerdings rein gar nichts zu tun haben. Dieses Durcheinander kann den Kinobesucher, der sich vorher nicht damit auseinandersetzt, durchaus verwirren. Das hat Disneys MARVEL CU einfach besser gemacht, da hier sogar die TV-Serien Bestandteil davon sind.

Für einen Fan der DC-Comics, der diese nun seit etwas mehr als zwei Jahrzehnte mehr oder weniger regelmäßig verfolgt, war BATMAN V SUPERMAN ein Vergnügen. Es ist erstaunlich, auf wie viele bekannte Storylines der Film referenziert. Bereits in den Trailern lassen sich einige dieser Referenzen erkennen, deswegen hoffe ich, ich spoilere an dieser Stelle nicht zu sehr, wenn ich diese kurz erwähne: RETURN OF THE DARK KNIGHT, INJUSTICE: GODS AMONG US, BATMAN: A DEATH IN THE FAMILY und DOOMSDAY. Was mich wieder etwas beruhigt ist die Tatsache, dass selbst Kinogänger, die diese Vorlagen nicht kennen, Spaß an dem Film haben können – zumindest die, die ich gefragt habe. 😉

Jeremy Irons ist Alfred Pennyworth

Jeremy Irons ist Alfred Pennyworth

Ben Affleck hat mich mit seiner Interpretation des resigniert wirkenden Batman, der in Teilen an den Batman aus THE DARK KNIGHT RETURNS angelehnt ist, sehr überzeugt. Auch die Gestaltung seines Kostüms, seiner Ausrüstung und seiner späteren Rüstung empfand ich als sehr werkgetreu. Da haben sich die Vorgänger schon größere Freiräume erlaubt. Mit Jeremy Irons ist ein im Vergleich zu den Vorgängern noch deutlich jüngerer Alfred im Dienste der Fledermaus (den Alfred aus GOTHAM ausgenommen). Es hat den Anschein, dass die Macher die Interpretation offen lassen wollten, ob der Film an die DK-Trilogie anschließen könnte (Christopher Nolan ist ausführender Produzent). Dazu passt die Darstellung des älteren BATMANs, der laut eigener Aussage bereits 20 Jahre im Geschäft ist und das bereits im Trailer gezeigte Robin-Kostüm nur bedingt und mit viel Fantasie. Die jüngere Darstellung Alfreds spricht gänzlich dagegen.

Sicherlich wird der Film bei mir nicht den Status eines Meisterwerks erlangen, dennoch wird er mir – ganz ähnlich, wie WATCHMEN – noch lange positiv in Erinnerung bleiben. Gut gemacht, Zack Snyder!

Kategorien:Angesehen, Kino, Rezensionen

2 replies »

  1. Hey Steffen,
    Schön geschriebene Review und auch gut ausführlich 🙂 Ich freue mich dass du dich so sehr über den Film freust. Ich hätte gerne gehabt, dass mich der Film ähnlich fasziniert wie Guardians of the Galaxy. Deren Vorteil war aber die nicht zu große Bekanntheit.

  2. Vielen Dank für das Lob.

    Die Bekanntheit von Batman und Superman steht diesem Film, wie auch schon dem Vorgänger, teilweise im Weg. Superman ist nicht der Strahlemann – der Pfadfinder -, den viele mit Sicherheit erwarten. Das selbe gilt für Batman, der sich hier als richtiger Badass zu erkennen gibt. Dennoch haben beide Versionen ihre Berechtigung, denn auch diese basieren auf bereits erschienene und beliebte Geschichten.

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