Rezensionen

MPH – SCHNELLE PILLEN (Panini Comics)

MPH – SCHNELLE PILLEN | Panini Comics | 140 Seiten – Softcover| 16,99 €

Mark Millar ist in den letzten Jahren stetig populärer geworden, sei es mit seinen Comics wie Kick-Ass, Wanted oder Marvels Civil War, aber auch mit den entsprechenden Verfilmungen, die nicht nur die traditionellen Comicfans in die Lichtspielhäuser lockte, sondern auch Zuschauer, die die Vorlage gar nicht kannten. Kein Wunder also, dass auch die Filmrechte zu MPH schon unter den Hammer kamen.

Im Comic interpretiert Mark Millar wie so oft ein altes Superhelden-Konzept auf die ihm eigene Weise. Wie es schon am Cover zu erkennen es geht es um Speedster, superschnelle Wesen, die schneller als der Schall sein können, wie z.B. Flash bei DC oder eben Quicksilver bei Marvel. Seit jeher ist dies eine Spielwiese für Interpretationen der Kräfte der flinken Helden, die in Sekundenbruchteilen Armeen entwaffnen, lange Strecken zurücklegen oder die Zeit auf ihre Art und Weise interpretieren können (ich sag nur kosmische Tretmühle).

Wie immer ist hier die Art und Weise wie der Held zu seiner Fähigkeit kommt prägend, z.B. durch einen Unfall oder Mutation. Bei Millar kann man das Konzept mit dem Motto einer alten TV-Serie umschreiben: „Seine große Stunde kam, immer wenn er Pille nahm“.

Roscoe, ein echtes Detroiter Eigengewächs, ist ein kleiner Ganove mit Visionen für die Zukunft. Er will aus seinen Gaunereien ein Haus, einen Sportwagen, und ein schönes Leben mit seiner Freundin, die ebenso wie er im Problemviertel groß wurde, finanzieren. Dazu hat er sich mit einem Verbrecherboss eingelassen, doch sein Coup platzt, und er landet im Knast, wo er jedoch die Hoffnung nicht aufgibt. Als er nun eine Dosen mit Drogen kauft wird ihm schnell klar, dass mit dem Pillen ganz und gar nichts in Ordnung ist. Um ihm herum scheint die Zeit still zu stehen, und so kann er gemütlich aus dem Gefängnis heraus laufen, während alle Wachen erstarrt sind. Schnell wird ihm klar, dass die Drogen dafür gesorgt haben, dass er superschnell ist. Aus großer Geschwindigkeit kommt hier jedoch großer Reichtum, denn Roscoe benutzt die restlichen Pillen nicht etwa, um sich in Latex zu hüllen und Verbrecher zu jagen sondern wird selbst zum Superschurken, und raubt zusammen mit seiner Freundin und 2 Kumpels Banken und Geschäfte aus, und das zu schnell, dass keiner das Quartett stoppen kann. Oder hat die Armee doch noch ein As im Ärmel?


Fazit

Millarworld wird größer und größer, aber der Schotte weiß einfach, was das Publikum sehen will. Nicht die hundertste Neuauflage einer alten Geschichte, sondern eine neue, reale Version des Speedster-Konzepts. Edle Helden sucht man hier vergebens, stattdessen wird der Leser hier mit dem ausweglosen Leben der Afroamerikaner und Latinos nach dem Niedergang der Autoindustrie in Detroit konfrontiert.

Die Darstellung der Geschwindigkeit und die Wirkung, die eine Bewegung in Hochgeschwindigkeit auf einen Körper in Normalgeschwindigkeit haben kann, werden ebenso dargestellt wie in anderen Comics, eben aber einen Tick extremer. Dafür bleibt Millar bei der Charakterisierung etwas unter seinen Möglichkeiten. Sicher, die Protagonisten sind nicht als Sympathiefiguren ausgelegt, aber etwas mehr Hintergrund wäre schön gewesen.

Als Zeichner wurde Duncan Fegredo (u.a. Zeichner bei Hellboy und diversen Vertigo-Serien) verpflichtet, der hier mit Kolorist Peter Doherty einen Stil gezaubert hat, der mich an die späten 90er erinnert, und so eine besondere Atmosphäre zaubert, die komplett anders wirkt, als der aktuelle Superhelden-Mainstream.

Insgesamt ist MPH zwar kein neuer Meilenstein in Millars Werk, aber eine unterhaltsame, abgeschlossene Geschichte, die man zwischen Wanted und Nemesis einordnen kann.

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