Ausstellung

Interview zur Ausstellung von Ekki Helbig

Ekki Helbig aus Frankfurt ist vielen als Comic-Händler bekannt. Als solcher hat er bereits eine Menge Künstler in seinen T3-Laden zu Signierstunden eingeladen.

Was viele nicht wissen: Ekki hat selbst eine künstlerische Ader. Seit 1980 ist er kreativ, erstellt Papiercollagen, Assemblagen, Dioramen und malt.

Im Juni findet vom 3.6. bis 30.6.2016 eine Ausstellung seiner Bilder in der Kulturschänke Sulzbach statt.  Die Vernissage ist am Freitag, den 3. Juni ab 19 Uhr, der Künstler ist anwesend – und das musikalische Rahmenprogramm bestreiten „The Dust Tones“. Der Eintritt ist durchgängig frei. Wir wollten mehr zur Ausstellung und seinen Werken wissen und haben Ekki dazu befragt.

Hallo Ekki. Wie kam es zu deiner künstlerischen  Leidenschaft?

Ekki Helbig vor seinem neuesten Werk

Ekki Helbig vor seinem neuesten Werk

Ekki Helbig: Ich habe schon in meiner Kindheit gerne gebastelt und gemalt. Nur wirklich gut zeichnen konnte ich nie. Im letzten Jahr in der Schule hatte ich dann eine tolle Kunstlehrerin, die uns experimentelle Techniken von Künstlern wie Jackson Pollock oder Max Ernst vermittelt hat, Das hat mich voll begeistert! Ich bin dann auch gerne in Ausstellungen gegangen, um Anregungen zu bekommen. Die Kasseler „documenta“ besuche ich seit Ende der siebziger Jahre regelmäßig. Aber meine Lieblinge der Kunstgeschichte sind bis heute die Dadaisten und die Surrealisten. Deshalb habe ich 1980 mit Papiercollagen angefangen. Ein wunderbares Medium, um Geschichten zu erzählen. Und Anfang der 80er habe ich dann eine Ausstellung im Neu-Isenburger Rathaus ergattert – das war natürlich großartig! Einige weitere Ausstellungen im Westkreis Offenbach schlossen sich an, ich lernte ältere Künstler kennen, meine Güte war das alles spannend. Herbert Oehm, der damals in Dreieichenhain lebte, erklärte mir das Prinzip Diorama, und ab Mitte der 80er bastelte ich meine sogenannten Kästchen. Es dauerte ein paar Jahre, bis die wirklich gut aussahen (lacht).

Aber wie das mit der Kunst so ist, man muss auch Geld verdienen. Von daher führte mein Weg Anfang der 90er in den Comic-Einzelhandel und für die Kunst blieb immer weniger Zeit übrig. Aus einer Leidenschaft wurde ein wenig beachtetes Hobby. Versuch mal nach einem harten 9-Stunden-Arbeitstag an deinem Schreibtisch kreativ zu sein – das kann nur schief gehen. Mit dem Aufkommen von Heimcomputern und deren grafischen Möglichkeiten wurde die Papiercollage obsolet. Es blieben mir nur die „Kästchen“ und zu wenig Zeit.

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„Das Bergmassiv“

2008 erhielt ich dann die Möglichkeit an einer Gemeinschaftsausstellung mit Ray Rubeque und Christopher Tauber in den Landungsbrücken teilzunehmen. Ich präsentierte dort so eine Werkschau von den 80ern bis 2008. Und von da an war die Motivation, kreativ zu sein, wieder voll da. Ich kaufte mir Leinwände und Acrylfarben und experimentierte wie ein Verrückter. Mit einem vernünftigen Zeitmanagement kann man nämlich sehr wohl Kunst neben der alltäglichen Arbeit produzieren. Mal habe ich zwei Monate keine Zeit und dann produziere ich die nächsten drei Monate wie ein Verrückter. Das Gute ist einfach, ich kann mich inzwischen darauf verlassen, das mir immer was einfällt. Ideen sind einfach immer da und die Zeit, um sie zu einem guten Bild zu entwickeln, die findet sich.

Die letzten Jahre funktioniert das sehr schön entspannt. Die Pausen dürfen nicht zu lange werden, dann werde ich nervös – aber insgesamt klappt es wieder richtig gut. Seit 2008 ist die kommende dann auch schon die fünfte Ausstellung, es gibt also immer was Neues zu zeigen.

Wie lange arbeitest Du an deinen Bildern?

„Der Bibliothekar“

EH: Das ist ganz unterschiedlich. Ein Bild kann innerhalb eines Tages entstehen. Meistens braucht es aber zwei bis drei Wochen. Normalerweise habe ich eine Ausgangsidee, suche mir passende Gegenstände zusammen, arrangiere das Ganze grob und lege dann ein Farbspektrum fest. Manchmal klappt es sofort und manchmal nicht. Wenn es nicht klappt, kommt das halbfertige Bild alle zwei Monate zur Wiedervorlage, bis die zündende Idee kommt.

Es können von der ersten Idee bis zur Vollendung allerdings auch drei Jahre ins Land gehen. „Der Bibliothekar“ ist ein Beispiel für solch ein langes Projekt. Dafür habe ich zwei Jahre die Hände von Action-Figuren gesammelt, dann etwa ein halbes gebraucht, bevor mir klar war, wie ich die Hände arrangiere und dann war es noch mal eine Woche harter Arbeit, den Entwurf tatsächlich umzusetzen. Das ist dann emsige Bastelarbeit.

Welche Materialien setzt Du für deine Bilder ein?

"Pretty as you feel"

„Pretty as you feel“

EH: Eigentlich alles. (lacht) Jeder kleinere Alltagsgegenstand ist für meine Kunst geeignet. Die Action-Figuren habe ich ja schon erwähnt. Es ist durchaus nützlich, in einem Comicladen zu arbeiten, da ich hier an einer Quelle sitze und Figuren und sonstiges abstruses Zeug geduldig sammeln kann. Meist verwerte ich die Ladenhüter, die keiner will. Die kriege ich zu einem günstigen Preis und erhöhe sie dann zur Kunst (lacht). Auch die Gummirollen innerhalb unserer Kassenrollen habe ich bereits mehrfach verwendet. Die kann man bei realistischen Szenen als Abflusskanäle entfremden oder, wenn man zwanzig Stück in einer Reihe einsetzt, gibt das einen sehr schönen grafischen Effekt. Mit viel Phantasie kann man fast alle Alltagsgegenstände wunderbar in der Kunst verwerten.

Ich setze alles Mögliche ein. Ich habe einen Schrank voll mit sonderbarem Zeug, das ich für meine Bilder verwerte. Da sind zum Beispiel alte Gegenstände von meinem Dachboden, wichtige Dinge aus meiner Kindheit oder anderen Lebensphasen – Fundstücke von der Straße sind auch großartig! Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen, dann findet sich immer was Brauchbares. Ich baue wirklich gerne persönliche Dinge in meine Kunstwerke ein, das gibt so eine unterschwellige Ebene, die nur für mich zählt. Das hat natürlich den Nachteil, dass ich diese Bilder nicht verkaufen kann. Die sind mir dann zu sehr ans Herz gewachsen.

Nahezu den ganzen Juni hängen deine Bilder in der Kulturschänke in Sulzbach. Auf wie viele deiner Werke darf sich der Besucher freuen?

EH: Die Ausstellung wird 40 bis 50 Bilder umfassen. Mal sehen, wie viele Bilder ich in der Kulturschänke unterbringe. Es handelt sich übrigens um neue Bilder, Dioramen und Leinwände aus der letzten Zeit, quasi eine Werkschau von 2013 bis 2016.

Was inspiriert dich?

EH: Kunst zu produzieren ist meine Art, den Kopf frei zu bekommen. Gelegentlich versinke ich so in der Arbeit, das hat etwas von Meditation. Analoges Werkeln ist einfach herrlich. Und wenn die eigenen dicken Finger was verpatzen, muss man improvisieren – herrlich! Ein Teil meiner Arbeit besteht aus Assoziationen, Zufall, Improvisation  und Missgeschicken, das kann unglaublich Spaß bringen.

Welches Bild würdest Du als Dein Lieblingsbild bezeichnen?

„Staunend in die Welt hinaus“

EH: Das trifft doch auf alle meine Bilder zu – es sind alles meine Kinder! (lacht) Das neuste Werk ist immer das Beste. Diese Begeisterung legt sich dann nach ein, zwei Wochen.

Tatsächlich habe ich unter meinen neuen Bildern aber eines, das mir derzeit am besten gefällt. Es ist „Staunend in die Welt hinaus“. Das ist ein Diorama, das schon vom grafischen Aufbau sehr gelungen ist, es stecken sehr viele persönliche Details drin und es erzählt eine spannende Geschichte. Und lässt dem Betrachter viele Möglichkeiten, sich eine eigene Geschichte dazu auszudenken.

Lieber Ekki, vielen Dank für das Interview und viel Spaß bei der Vernissage und viel Erfolg für die Ausstellung.

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