Rezensionen

Dark Night – Eine wahre Batman-Geschichte (Panini Comics)

In den letzten Jahren wurde Anzahl von Superheldenserien, die einst meine Abos dominierten, immer weniger. Zu wenig Innovation, zu wenig Mut, stattdessen viele Großevents und Wiederauferstehungen. Klar, verschiedene meiner Stammserien lese ich noch, doch ertappe ich mich dabei dass ich mich Frage ob dies einfach Gewohnheit ist.

Als „Dark Knight – Eine wahre Batman-Geschichte“ angekündigt wurde, ließ mich das aufhorchen. Paul Dinis als Autor hat durch seine Vergangenheit mit der großartigen Batman Animated Serie und vielen anderen Geschichten bei mir einen Stein im Brett, und auch Eduardo Risso ist wie z.B. in 100 Bullets immer genial. Aber warum geht’s in der neuen Geschichte?

Es handelt sich um nicht weniger als ein Seelenstriptease von Paul Dini aus seiner Zeit als Schreiber der Trickfilmserie. Es ist nicht etwa eine Dokumentation wie er die immer noch populäre Serie schrieb, sondern über ein einschneidendes Erlebnis in seinem Leben. Der junge Paul war damals mit einigen Cartoons bekannt und mehrfach ausgezeichnet worden. Seinen Status als Nerd hat das freilich nicht geändert, und das in einer Zeit, wo Nerdtum noch nicht als irgendwie cool galt. Folglich war auch sein Schlag bei den Frauen nicht besonders groß. Dadurch, dass er gelegentlich mit Spielberg zu tun hatte, wurde er jedoch interessant für ein Starlet, die ihn jedoch nur als Mittel zum Zweck sah, und nicht als potentiellen Partner. Wäre das nicht schon genug Grund für Traurigkeit wurde er auf von zwei Räubern überfallen, die ihn nicht nur sein Geld stahlen, sondern ihn auch übel zurichteten, was wiederum ein Trauma auslöste. Die Geschichte erzählt über seinem Umgang damit, und wie er es (mehr oder weniger) überwand.

Dabei hat der nun depressive Paul nun vielfach Gespräche mit Batman, aber auch einer großen Anzahl Schurken, die ihm das ein oder andere einreden, ihn beruhigen, verspotten oder provozieren – jeder nach dem Naturell des Charakters. Schlimm, wenn man mit gebrochenen Gesichtsknochen auch noch von seinem fiktiven Freund verarscht wird…


Fazit

Es gehört viel Mut dazu, soviel von sich preiszugeben wie Paul Dini es hier tut. Von den ersten Kindheitserlebnissen über den Misserfolg bei den Damen und die eigene Unfähigkeit, sich gegen die Angreifer zu verteidigen lässt Dini nichts aus. Auch nicht den Punkt, dass er ja eigentlich die Straßenseite hätte wechseln können, dies aber nicht getan hat, um sich nicht als Mensch mit Vorurteilen gegen Schwarze zu fühlen. Spannend auch der Umgang mit der gefährlichen Situation (Raubüberfall), die sehr oft in Batman Comics thematisiert und von dem dunklen Ritter mühelos gelöst wurde.

Der Leser wird Seite um Seite Zeuge des Entwicklungs- und Verarbeitungsprozesses, meisterlich von Risso in Szene gesetzt. Es gibt wenige Zeichner die die verschiedenen Emotionen und Rollen der mit Paul kommunizierenden Comicfiguren so auf den Punkt bringen könnten. Besonders der irre Joker macht mir hier Spaß, aber natürlich auch Bats, der Paul immer wieder aus seiner Lethargie reißt.

Freunde, wenn ihr dieses Jahr nur ein Batman-Comic kaufen wollt, sollte es dieses sein. Es ist unglaublich viel Herzblut und Persönlichkeit eingeflossen, wie man es sonst nur autobiographischen Comics kennt. Für mich ist das der DC Comic des Jahres (welcher eigentlich beim Label Vertigo erschienen ist).

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