Rezensionen

Moon Knight 1 (Panini Comics)

Seit seinem ersten Auftritt bei den Westküstenrächern in einem Rächer-Taschenbuch vom Condor-Verlag mochte ich die Figur des Moon Knight. Zunächst als Batman-Kopie mit ägyptischen Hintergrund betrachtet, stellte sich schnell heraus, dass Marc Spector es faustdick hinter den Ohren hat, und bis auf das Kostüm und die Gadgets recht wenig Parallelen mit unserer Lieblingsfledermaus von DC existieren. Wie viele andere Figuren wurde er ab den 90ern immer düsterer und gewalttätiger, was seine häutenden Höhepunkte in der MAX-Serie fand. Auch die gespaltene Persönlichkeit des Wirtes des altägyptischen Mondgottes Konshu driftete immer mehr ab.

2015 hat sich Warren Ellis der Figur angenommen, und einige spannende Änderungen inszeniert. Moon Knight trat nicht nur als Rächer im wallenden weißen Cape auf, sondern zeigte sich auch im schnieken weißen Anzug mit Gesichtsmaske. Dies geschah, wenn er der Polizei von New York half, bei außergewöhnlichen Fällen zu ermitteln, und Tatorte besichtigte. Das Setting änderte sich auch nicht, als das Kreativteam Brian Wood und Greg Smallwood, die Geschichte in dem neuen Umfeld fortsetzten, ebenso wie bei Autor Cullen Bunn mit den Zeichnern Ron Ackins, Steven Sanders und German Peralta, wobei es bei Bunn auch mal übersinnlich zuging.

Geistige Gesundheit war ja noch nie eine Stärke Spectors, und damit ist nicht nur seine Schizophrenie mit verschiedenen Identitäten gemeint, sondern auch seine gelegentlichen Gewaltexzesse und der komplette Kontrollverlust. Es erscheint daher nur konsequent, dass sich unser Held nach einem Gespräch mit Mondgott Konshu in der Psychiatrie wiederfindet. Eigentlich sollte das kein Problem für den erfahrenen Kämpfer sein, doch er scheint nicht ganz er selbst, und lässt sich von zwei brutalen Wärtern in die Knie zwingen. Auch die Elektroschocks scheinen nicht zu helfen, und auch die Gespräche mit der hübschen Heimleiterin verlaufen alles andere als heilsam.

Erst, als sein alter Freund Frenchie auf der Bildfläche erscheint, kann Moon Knight mit Hilfe eines anderen Patienten einen Fluchtversuch wagen. Dabei verschwimmen Realität und Vorstellung schnell miteinander, und schnell werden die Wachen zu mystischen Figuren, und auch das gute, alte New York nimmt alt-ägyptische Züge an. Auch andere Bekannte aus Moon Knights Vergangenheit tauchen auf der Bildfläche auf. Kann Konshu helfen, die Freunde aus der Gefangenschaft zu befreien?


Fazit

Jeff Lemire tut gut daran, die Änderungen, die während des letzten Runs angeklungen sind, nicht gänzlich zu verwerfen, und baut viele Einzelheiten daraus in die aktuelle Story ein. Man weiß nie wieviel davon real ist oder sich nur in Spectors Kopf abspielt, was aber den Lesespaß für neue Leser nicht schmälert. Auf diese Ungewissheit ist auch Greg Smallwoods Artwork ausgelegt, dass mal mystisch verträumt, mal cartoonig daherkommt, je nach der aktuellen Situation bzw. dem Geisteszustand des Protagonisten. Auch Smallwood spielt dabei gern auf die Vorgängerserie an, z.B. bei der Darstellung Konshus, oder bei dem Anzug von Mr. Knight. Lemire hat mit diesem Band eine gute Startposition geschaffen, und jede Geschichte mit Moon Knight erzählen zu können die er will. Noch ist für mich der Ellis-Run nicht übertroffen, die notwenigen Voraussetzungen sind aber getroffen…

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