Rezensionen

Nighthawk – Stadt in Flammen (Panini Comics)

Ich muss zugeben, ich bin ein Freund von Batman-Variationen. Zwar lese ich Geschichten von DC’s dunklem Ritter immer noch gern, aber die Figur ist natürlich stark definiert, und gelegentliche Änderungen wie z.B. Dick Grayson, Jim Gordon oder Azrael als Batman hatten nie lange Bestand. Daher wohl mein Faible für Figuren die ähnlich, aber doch nicht so eingeschränkt sind. Der Midnighter, Shadowhawk oder Moon Knight und andere – alle haben einen festen Platz in meinem Comicregal.

Wenig vertreten ist Nighthawk, und das obwohl er bereits 1969 von Roy Thomas und Sal Buscema geschaffen wurde. Einzelbände habe ich nicht, wohl aber die Auftritte bei der Squadron Supreme, wo er mir aber nicht besonders auffiel.

Die aktuelle Inkarnation wurde von Autor David F.Walker und den Zeichnern Ramon Villaobos, Martin Morazza und Leonard Kirk erschaffen.

Unter der Maske von Nighthawk steckt Kyle Richmond, dessen Tarnidentität der reiche Raymond Kane ist. Im Gegensatz zu Bruce Wayne hat Richmond also noch eine falsche Identität vorgeschaltet. Einsatzgebiet ist das durch Gangs beherrschte Chicago, wo Afro-Amerikaner, Hispanics und weiße Rassisten um die Vorherrschaft in Waffen – und Drogengeschäft kämpfen. Ein weiteres Problem ist Polizeigewalt, bei der vorwiegend Afro-Amerikaner zu Unrecht erschossen werden, was wiederum zu Rassenunruhen führt.

Unterstützt wird Nighthawk dabei von Tilda Johnson, die als Schurkin Nightshade unterwegs war und nun die Rolle einer Oracle gemischt mit Daniel Düsentrieb innehat. Auf seinen Streifzügen wird Nighthawk dabei von allerlei High-Tech wie Eulenrobotern und seinem fliegenden Motorrad unterstützt. Letzteres könnte auch gut ein Fahrzeug bei Masters of the Universe sein. Im Gegensatz zu diesem kitschig klingenden Ansatz geht es in der Serie doch ausgesprochen hart zu, denn Kyle schreckt nicht davor zurück, seine Gegner zu durchbohren, aufzuspießen oder in die Luft zu sprengen, egal ob korrupter Cop oder Gangmitglied.

Doch in der Stadt treibt ein weiterer Vigilant sein Unwesen, der noch härter gegen die genannten Gruppen vorgeht. Auf der Suche nach dem Täter muss Kyle sich oft fragen, was ihn am Ende des Tages noch dem Mörder unterscheidet…

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Fazit

„Stadt in Flammen“ ist eine Mischung aus den „grim & gritty“ Superheldengeschichten der 90er in einer Optik wie man sie derzeit eher bei Image Comics findet, statt bei den doch recht glattgebügelten Marvel-Serien.

Insgesamt hätte ich mir aus der Geschichte heraus mehr Bezüge zur Vergangenheit gewünscht. Die Infos dazu gibt es zwar im informativen Vorwort von Christian Endres, im Plot selbst wird dies weitgehend ignoriert, und Walker fokussiert sich stark auf das Hauptthema Polizeigewalt. So richtig mögen kann ich diesen Antihelden und seine Tilda nicht, da mir sein Credo nicht ganz klar wird, und die Hintergründe und Motivation unklar sind. Ja, seine Eltern wurden nicht bei einem Raubüberfall getötet, sondern durch rassistische Gewalt, aber auch dieses Thema wird nur gestreift. Während wir in gefühlt jedem 2. Batman-Comic die Perlen von Mrs. Wayne fallen sehen bleibt genau diese Szene hier im Dunkeln, und stattdessen konzentriert sich das Ganze auf die Gewaltbereitschaft, die der junge Kyle bereits vor dem Mord an seinen Eltern hatte. Die Handlung schafft es aber immer wieder den Leser dazu zu bringen, die Handlungen von Nighthawk aber auch dessen Gegner zu hinterfragen. Wer ist hier der die Gute, der Böse, oder ist etwa alles grau und dazwischen? Da hatte ich selbst bei klassischen Punisher-Geschichten, wo es auch nicht selten hart zur Sache ging, eine einfachere Einschätzung.

Insgesamt ist Nighthawk somit solide, es ist aber noch Luft nach oben.

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