Rezensionen

Bataclan – Wie ich überlebte (Panini Comics)

Bataclan – Wie ich überlebte | Panini Comics | 50 Seiten – Hardcover – 16,99 €

In letzter Zeit ist es sehr schwer, bei den vielen Anschlägen von Terroristen einen Überblick zu behalten. Wo fast jeder noch weiß, wo er sich am 11.September 2001 befand als die Anschläge bekannt wurden, ist bei den Angriffen in der jüngeren Vergangenheit eine Art gefährliche Gewöhnung zu Tage getreten. London, Barcelona, Berlin, Istanbul und viele weitere Städte wurden Ziel von religiösen Fanatismus, und man kann durch die schiere Menge der Ereignisse wenig dazu behalten.. Man wundert sich nicht mehr wenn jemand mit einer Axt um sich schlägt, oder mit einem Fahrzeug durch eine Menschenmenge fährt. Sicher, man ist für einen kurzen Moment bestürzt und es laufen Botschaften mit „Pray for …“ durch die sozialen Medien – genützt hat das Beten aber bislang noch nichts.

Der Angriff auf das Bataclan in Paris am 13.11.2015, bei dem 90 Menschen feige ermordet wurden, ist Thema dieses Comics. Der Zeichner Fred Dewilde war selbst Gast bei dem Konzert der Band „Eagles of Death Metal“, und es sollte eigentlich ein schöner Abend mit alten Freunden werden. Dieses Fest der Freude wurde jäh von 3 Dschihadisten beendet, die das Publikum als Geiseln nahmen, und mit Sturmgewehren und Handgranaten angriffen. In diesem Moment kann Fred nur noch eins tun, um zu überleben. Er stellt sich tot, und liegt für eine gefühlte Ewigkeit an Boden zwischen Blut und Körperteilen der anderen Besucher. Ihm gegenüber eine junge Dame, die ebenfalls die gleiche Überlebensstrategie verfolgt. Als die Polizei das Theater stürmt, ist er einfach nur froh, noch am Leben zu sein, und zu seiner Familie nach Hause zu kommen. Doch zu Hause erst beginnt er zu verarbeiten, was da eben passiert ist.. Seine Rückkehr in einen Alltag fällt ihm nicht leicht.

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Fazit

Bei Comics dieser Art wird im Feuilleton immer wieder überrascht die Augenbraue nach oben gezogen. Man kann solche ernsten Sachverhalte im Comic darstellen? Ja, das kann man, und zwar schon seit Jahrzehnten. Gerade autobiographische Zeichnungen sind oft wesentlich aussagekräftiger als Filme oder Bücher, da sie die Gefühlswelt des Erzählers stark darstellen, so auch bei Fred Dewilde…

Seine Zeichnungen sind in Schwarzweiß gehalten und relativ grob, aber seine Emotionen wie Angst und Wut, aber auch die Geborgenheit nachdem er der Situation entkommen und bei seiner Frau ist kann man sehr gut nachempfinden. Er ist kein Held, der versucht, die Terroristen anzugreifen; er möchte einfach nur überleben. Die Angreifer werden nicht realistisch dargestellt, sondern als Skelettschädel mit riesigen Waffen, die die friedliche Atmosphäre des Konzerts ins in Schlachthaus verwandeln. Der Focus liegt stets auf der Wahrnehmung von Fred, und so gibt es keine „Übersichtsaufnahmen“ der Situation, sondern nur seine Sicht die er hatte, als er am Boden des Konzertsaals lag und der Wahnsinn um ihn herum regierte.

Der Band beinhaltet 15 Comicseiten, der Rest ist mit Texten mit kleinen Skizzen versehen, die die Zeit nach dem Anschlag beschreiben. Von der Schwierigkeit des „normalen“ Lebens mit Alltag und Familie in der Stadt, in der er fast ermordet wurde berichtet Dewilde, was sicher einiges von Selbsttherapie hat.

Der Band ist ein einzigartiger Einblick in solch eine unmenschliche Situation und deren Folgen. Unbedingt lesen!

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