Rezensionen

Jessica Jones Megaband – Das letzte Kapitel (Panini Comics)

Erinnern wir uns zurück an eine Zeit, in der die Kids Superhelden primär aus Comics kannten statt aus Blockbustern oder Serien, wo die Comicindustrie kränkelte und sich vom „grim and gritty“ der 90er erholen musste, welches neben hübschen Zeichnungen selten so etwas wie eine Geschichte zu bieten hatte. Nerd und Geek waren noch kein Lifestyle, sondern Schimpfworte, und die Comiclandschaft war zwischen Traditionen und Moderne hin- und hergerissen. Doch in den frühen 2000ern keimten sie auf, die Comicserien, die für Erwachsene gedacht waren, und alsbald vom Geheimtipp zu Klassiker werden sollten. Einiges hatte, wie Preacher, schon in den 90ern angefangen, und nach und nach gesellten sich Serien wie Y – the last man oder 100 Bullets dazu. Vertigo war der Innovationsmotor, heute in etwa mit Image zu vergleichen. Marvels Antwort darauf war MAX Comics, ein Sublabel, wo auch mal geflucht oder geraucht werden durfte. Joe Quesada wollte eine Detektivserie, beauftragte den noch unverbrauchten Bendis, und so wart Jessica Jones geboren. Amen.

Jessica Jones, ehemalige Superheldin namens Jewel, hatte eine Detektei, und widmete sich Fällen, bei denen Superhelden, Schurken oder Mutanten beteiligt waren, und zwar auf ihre ganz eigene Art. Stets mit Selbstzweifeln versehen, Alkoholikerin, Kettenraucherin, und zynisches Miststück. Trotzdem bzw. gerade deswegen liebten die Leser Jessica, und das, obwohl Bendis mal wieder einen Redcon eingeführt hatte. Sicher auch, weil Bendis sie so perfekt zwischen Ms. Marvel und anderen Avengers eingebettet hatte, als wäre sie schon immer da gewesen. Als sie dann noch mit Luke Cage ein Kind hatte, war sie aus dem Marvel Universum nicht mehr wegzudenken, auch wenn die Serie zu Ende ging.

2015 kam die Netflix Serie, die trotz der im Mainstream wenig bekannten Figur einen überraschenden Erfolg zeigte, und so kam das Alte Team mit Autor Brian Michael Bendis und den Zeichnern Michael Gaydos und Javier Pulido erneut zusammen um 18 Hefte zu kreieren, die in diesem schweren Band zusammengefasst sind.

Und da ist es wieder, dieses schöne alte Gefühl, dass die Leser von damals mit Jessica Jones verbinden. Natürlich lebt sie nicht als glückliche Familie mit Luke Cage und ihrer Tochter in einem Reihenhaus in Queens, sondern die Beziehung ist doch stark zerrüttet, was auch Jessicas letzter Gefängnisaufenthalt nicht verbessert hat. Noch immer ist die Freundschaft zu Carol Danvers ein Ankerpunkt in ihrem Leben, doch auch diese hat sich verändert. Zwischen Geldmangel und Komplexen muss Jessica Jones erneut als Privatschnüfflerin ran, ob sie will oder nicht.


Fazit

Durch die Beibehaltung des Kreativteams ist es, als wäre die Serie nie zu Ende gegangen. Gaydos und Pulido sorgen mit ihrem Stil für die gleiche Atmosphäre wie damals, inklusiver der oft kritisierten hineinkopierten Hintergründe, oder das zigfache Kopieren eines Gesichtsausdrucks als Stilmittel für Sprachlosigkeit. Hand aufs Herz, ohne das wäre es nicht authentisch.

Auch die Handlung wirft keine Überraschungen auf, zwischen SHIELD und Carol Danvers, Luke Cage oder bekannten Schurken, Jessica Jones bleibt sie selbst, statt gegen Galaktus zu kämpfen, und das ist gut so. So wie Daredevil, die Heroes for Hire und Spider-Man gehört sie in die dreckigen Nebenstraßen New Yorks, mit der Kippe im Hals und einer Menge Zorn im Herzen. Neulesern empfehle ich zunächst die alte Serie zu lesen (in 2 Bänden bei Panini erschienen), alle anderen können bedenkenlos zugreifen. Jess is back.


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1 reply »

  1. Die JJ Comics finde ich besser als die Serie.
    Wieder top von den Künstlern umgesetzt.
    (klasse Rezi)

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