Rezensionen

Die Nektons – Abenteurer der Tiefe (Dani Books)


Bei der Comicvielfalt geht dieser Dani Books-Titel nicht nur etwas unter, er geht in abenteuerliche Tiefen – mit dem Hightech-U-Boot Arronax!


Abschweifender Rückblick

So wie Comicprofis im Nachhinein davon sprechen, daß Mitte der achtziger Jahre in der Evolution der Comics (mit Blick auf den US-Markt) etwas passiert ist, werde ich im Nachhinein davon sprechen, dass um 2012 der nächste kleine Schritt der Comicevolution (u.a. auf dem US-Markt) passierte.

Um 2012 gefielen mir nach langem mal wieder einige neue US-Comicserien. Hauptsächlich fielen mir bei Image neue interessante Themen von neuen Serien auf, die ich daraufhin las und begeistert war.

Ein Comic namens The Deep gewann in Australien den Aurealis Award, den ersten Literaturaward für Spekulative Fiction für die beste Graphic Novel im Jahr 2012.

2012 war „Titanic“-Regisseur James Cameron zum tiefsten Punkt im Meer gereist und nahm Proben vom Boden des 11km tiefen Marianengrabens.

Ich war zwar 2012 neben Comics auch von der Tiefsee begeistert, hatte aber 2012 noch keinen Schimmer von The Deep. Auch nicht davon, dass es von The Deep seit 2015 eine beliebte Zeichentrickserie gab, die heutzutage auf SuperRTL im deutschen Fernsehen läuft. Ich bemerkte die Serie Dank des 2017er Reprints durch Boom Studios für den US-Markt in Heftform.

Jano Rohleder von Dani Books ist da etwas pfiffiger gewesen. Er hat schon im Sommer 2013 die Rechte an diesem Comic von Gestalt Publishing aus Australien eingekauft und übersetzen lassen.

The Deep ist ein All-Ages-Comic vom heute bekannten Autor Tom Taylor (übrigens handelt es sich bei diesem Namen hier nicht um den Charakter aus der Vertigo-Comicreihe The Unwritten sondern um den Schreiber von X-Men Red, gezeichnet von Mahmud Asrar, Injustice 2 oder All New Wolverine und einigen Star Wars Heften) und dem Zeichner James Brouwer (Justice League Beyond).
Es ist also ein Comic „für die ganze Familie“. Leider müssen Verlage wie PopCom (z.B. mit Bone oder I hate Fairyland), Toonfish und Dani Books mit ihrem zauberhaften Programm fest stellen, dass sich diese Art Titel zur Zeit auf dem deutschen Markt nur schlecht verkaufen. Das ist schade. Denn es sind richtig gute Comics dabei, die einfach Spaß machen.
Da gibt es jetzt neu bei Dani Books den Paperback Die Nektons – Abenteurer der Tiefe, der auf 160 Seiten sämtliche Kapitel der Comicgeschichten vereint, die in Australien laut Impressum 2012 und 2013 in den Bänden The Deep -Vol. 1: Here Be Dragons und The Deep – Vol. 2: The Vanishing Island erstveröffentlicht wurden. Damit ist es eigentlich eine schöne kleine Gesamtausgabe (auf  15,7 x 24 cm), die sowohl in Softcover als auch in limitiertem Hardcover oder als eBook erhältlich ist und im Regal gut neben Courtney Crumrin steht.


Handlung (Inhaltsangabe mit Abschweifungen)

Auf den ersten Seiten der Kapitel 1, 2 und 4 blicken Fischer und Inselbewohner an den Ufern der rauhen See erschrocken auf’s Meer hinaus. Welches Unheil wird auf sie hereinbrechen?
Das gilt es für die routinierte Forscherfamilie Mama Kaiko, Papa William, den aufgeweckten Sohn Ant (kurz für Antaeus) und die Teenagerschwester Fontaine mit ihrem Tiefsee-Uboot Arronax herauszufinden.

Denn dieser Comic für die ganze Familie präsentiert passenderweise eine ganze Familie – die Nektons. Kinderfreundlich, selbstbewußt und frech tauchen sie mit ihrem Tiefsee-Uboot souverän in die Tiefe.

Wir Leser lernen Sohnemann Ant dabei kennen, wie er seinem Fisch Jeffrey das Stöckchenholen bei zu bringen versucht, was seine Schwester Fontaine schwachsinnig findet. Mama fragt nach Papa. Der liest in alten Karten. Die Kinder wissen, dass die neuen digitalen Karten besser sind als die alten Dinger. Was Papa als Anhaltspunkt zum Meeresbeben vor der Küste Grönlands in einer uralten Karte entdeckt, würde niemals in einer digitalen Karte auftauchen: „Hier sind Drachen.“ Ein erster Tauchgang steht an, und Fontaine fragt sich: „Was wohl normale Familien sonntags unternehmen?“ Der begeisterte Ant nur: „Mir egal. Drachen!“

In Kapitel 2 wird Fahrt aufgenommen, schon auf den ersten zwei Seiten kommt richtig Schwung rein – wenn sich Mundwinkel der Charaktere und der Leser in diverse Richtungen verzerren. (Seht nach!) Eine nervende Moderatorin kommt hinzu, die Mutter Kaikos Geduld auf die Probe stellt. Es kommt zum Vergnügen des Lesers zum verbalen Schlagabtausch.

Die Nektons fahren im Tiefsee-Uboot Arronax zum ermittelten Ursprung des Beben und finden einen nirgends verzeichneten Graben, weder in alten noch in neuen Karten.
In Kapitel 3 tauchen sie dorthin hinab und gehen der Sache auf den Grund.
Die dort unten auftauchenden Probleme werden naiv, süß und kindgerecht gelöst.
Optisch geht es am Meeresgrund nicht so niedlich zu.

In den tiefen Weiten des Ozeans herrscht zeichnerisch gut gelöst und damit optisch unsauber und rau eine so düstere Atmosphäre, dass die Zeichnungen der Tiefseewelt dreckig daher kommen im Unterschied zur heilen Welt der gradlinigen Menschen an der Oberfläche.
Der zeichnerische Style der Menschen erinnert etwas an den Look von Kim Possible mit klaren farbenfrohen Outlines.
Dieser Kontrast kommt perfekt zur Geltung, wenn Menschen in diese Tiefen tauchen und sich damit in das fremde Umfeld begeben. Wenn die klaren Figuren vor dem übermächtigen rauhen Hintergrund verschwindend klein wirken, dass dieser zum Vordergrund wird. Stark. Diese Story ist im Medium Comic sehr gut aufgehoben.

Bei echten Meeres-TV-Dokus bekommen wir in jedem Bild nur das – auf einem immer gleichgroßen Monitor – zu sehen, was aus Filmmaterial zu einer Sendung gedreht und zusammengeschnitten wurde. Was nicht vor die Linse kam, gibt es nicht (zu sehen). So schauen wir in der Hoffnung auf Entdeckungen und Enthüllungen im TV zumeist auf das Schiff, die Vorbereitungen der Crew und wie sie etwas Großes vor haben, von dem sie berichten. Wir schauen der Crew beim technischen Teil mit der Spannung auf die seltenen Tiere zu, die nur so gezeigt werden, wie sie aufgenommen wurden – begrenzt. Hierbei ist eine Nahaufnahme eines menschlichen Gesichts, das in die Dunkelheit starrt, ausführlicher dargestellt als das, was es in der Dunkelheit zu entdecken gilt. Beides ist für uns auf dem selben Fernseher gleichgroß betrachtbar.
Wir schauen dabei die meiste Zeit der sachlich beschäftigten Crew zu, ehe endlich das Interessante kommt, nämlich rare Aufnahmen von Tiefseetieren, die bei schlechten Lichtwasserverhältnissen unfreiwillig schlecht zu erkennen sind.
Im Comic ist unsere Crew diese sympatische sich kappelnde und sich liebende Familie, dass es Spaß macht, ihr zu zu sehen.
Im Comic sind die Zeichnungen und Farben digitalclean, solange wir nicht das Meer und dessen Leben direkt gezeigt bekommen, das um einiges düsterer ist, zwar vom Meerschleier umgeben, aber dennoch gruselig erkennbar!
Im Comic können die Größenverhältnisse (z.B. zwischen Mensch und Urtier) in unterschiedlich zueinander passenden Panels aufgezeigt, gegenübergestellt und in Szene gesetzt werden. Und zu sehen ist nicht nur, was in irgendeiner Weise teilweise kurz vor die Kamera kam…
sondern alles was gezeichnet wurde –  in voller Pracht! Zum Beispiel ein riesiges Tiefseetier über eine Doppelseite (was wohl in der Printversion am besten zur Geltung kommt).

Im aktuellen Podcast Comic-Cookies 81 geht es unter anderem um das Thema Outlines und wie sie modern eingesetzt und dargestellt werden. Marek Sulewski, der Zeichner des zukünftigen Science Fiction Comics Medianique verwendet (wie zu hören ab 23. Minute) zum Beispiel keine schwarzen Outlines sondern weiße und lässt die Outlines bei Sprechblasen komplett weg. Dadurch wird das Layout ruhiger, sauberer und entschlakter, und die Zeichnungen wirken viel präsenter, weil sie nicht mehr von schwarzen Outlines eingekeilt sind. Der Kontrast zwischen sauberen Sprechblasen und der dreckigen Linienführung bei Babes und Raumschiffen verstärkt die Erbarmungslosigkeit des Weltalls.

Outlines (die Umrandungslinien) müssen also nicht immer schwarz sein. Auch bei der Zeichentrickserie Kim Possible sind sehr viele Outlines nicht schwarz. Sondern milder an die Farbumgebung angepasst.

Und genau das finden wir auch bei dem Comic Die Nektons wieder. Roboter und Schiffe vor unendlichen Weiten gibt es nicht nur im Science Fiction, sondern auch in der Tiefsee. Das ungewöhnliche Haustier eines Jungen und die nervige Reporterin gibt es nicht nur bei Kim Possible sondern auch bei den Nektons.
Zwischen den Kapiteln sind die Coverillustrationen der Comichefte passend platziert.
Zwischen den zwei Storylines (Vol. 1 und Vol. 2) ist der kultige, sich mysteriös gebende Nereus platziert.

In Kapitel 4 bleibt Nereus an Board als sie zu einer Insel namens Tartaruga aufbrechen, der nichts passiert ist, der aber was hätte zustoßen müssen, als eine riesige Welle auf sie zuschnellte, wie ihr Gouverneur Gary den Nektons berichtete.
„Grottenkraxeln“ ist wohl das Wort des Kapitels, zumindest wenn es nach Ant geht.

Sie gehen in Kapitel 5 in die Meereshöhle unter Tartaruga, wo Ant und Fortaine zu zweit zum „Grottenkraxeln“ zurück bleiben, während Mama und Papa weiter forschen, und Gouverneur Gary langsam argwöhnisch wird.

In Kapitel 6 bleibt nur die Evakuierung der Insel, die zu sinken scheint. Die Forscherfamilie entlockt der Insel das Geheimnis und einen Schatz. Nereus trug ebenfalls ein Geheimnis mit sich und nimmt ein Stück des Schatzes mit sich.
In diesem letzten Kapitel kommt vieles zusammen und einiges geht auseinander.
Am Ende steht eine Wahrheit, die alles auf Anfang setzt.
Und dann hört der kindgerechte Band auf. Wow!

Es hätte in Australien eigentlich noch mehr Comics geben sollen. Da sich aber die Fernsehserie schon sehr bald in Produktion befand, konzentrierten sich die Originalkünstler darauf, die Handlung in dieser Form weiter zu erzählen – Tom Tailor schreibt die Drehbücher und James Brouwer ist für das Figurendesign zuständig, verriet mir Jano.
Jano hatte vorab in die TV-Serie reingeschaut und die Übersetzung auf Namen und Begriffe hin überprüft und festgestellt, dass hier schon nahezu alles gut aufeinander abgestimmt war. Gut. Die frische deutsche Veröffentlichung des Comicbandes hatte Jano so geplant, dass die Nektons nun vielleicht durch die SuperRTL-Serie etwas bekannter sind, auf das ein Zuschauer vielleicht auch zum Comic greift.
Ich schlage hier auch den umgekehrten Weg vor: Lest den Comic. Und guckt dann mal in die Serie rein.
Egal in welcher Reihenfolge man es angeht, von welcher Seite aus man starten möge, Jano erklärt zu guter Letzt:
Die beiden Comics sind als erste und als letzte Folge der ersten Staffel in Trickfilmform umgesetzt worden. Die Haupthandlung um Drachen und die Insel sind natürlich erhalten geblieben, eine größere Rahmenhandlung mit weiteren Nebenfiguren gibt es dann in der Trickserie.
Und wer das alles nachspielen möchte: Es gibt auch einiges an Spielfiguren und Spielsets zu den Nektons! Viel Spaß!


Fazit

Na gut es ist auch ein Comic für Kinder. Also seid mal wieder Kind!
Der Comic ist eine moderne, schöne Abenteuergeschichte mit Tiefseeeinschlag für die ganze Familie. Wer dieses Universum erweitern möchte, dem bleiben die Zeichentrickfolgen auf SuperRTL.
Wer 2018 beim Gratis Comic Tag bei den Nektons nicht zugeschlagen hatte, es gibt auf der Produktseite von Dani Books natürlich auch eine Leseprobe!


 

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