Comic-Tipp

Die Känguru-Comics

Erstmals aufgefallen ist mir Bernd Kissel 2016 mit seiner Arbeit am Comic „Münchhausen – Die Wahrheit übers Lügen“, den Flix getextet, Kissel aber gezeichnet hatte. Auch wenn ich Flix‘ Stil sehr mag, hat mich der Strich von Bernd direkt gefesselt. Es war der dynamische, deutlich franko belgisch inspirierte Zeichenstil, der mich überzeugt hatte.

Und dann kam das Känguru

Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling waren mir natürlich ein Begriff, als Bernd Kissel auf seiner Facebook-Seite im November letzten Jahres die Känguru-Comics ankündigte. Ich wollte natürlich direkt wissen: „Adaptierst Du damit bereits bestehendes Material oder handelt es sich um neue Geschichten aus dem Leben der beiden?“ Die Frage kam mir vor dem Hintergrund, dass bereits im Mai 2020 eine Comic-Adaption von Klings „QualityLand“ erschienen war (gezeichnet von Zachary Tallent, erschienen beim Verlag Voland & Quist). Bernd antwortete mir daraufhin: „Alles ist komplett neu von Marc-Uwe Kling geschrieben. Ich kenne ja bereits viele Skripte und verspreche nicht zu viel, wenn ich sage: das wird sehr sehr lustig!“

Natürlich hätte ich auch eine Adaption gelesen, da ich die Chroniken noch nicht wirklich kannte, aber ein Comic-Strip mit den durchaus sympatischen Charakteren vor dem aktuellen Zeitgeschehen sorgte bei mir für dezente Euphorie. Ende November veröffentlichte Bernd auf seiner Facebook-Seite die zwei Prolog-Strips, die direkt klar machten: Ja, Marc-Uwe und das Känguru sind sich bewusst, dass sie hier nun als Comicfiguren agieren müssen. Sie durchdringen die vierte Wand. Dies sollte später (ganz aktuell im Februar) wieder aufgegriffen werden, wenn Bernd es nicht schafft, den neuen Strip rechtzeitig fertig zu bekommen. So passiert das, was in einem Teaser schon angedeutet wurde: auch der Zeichner wird Teil der Story. Ich liebe sowas.

Am 1. Dezember 2020 starteten die Känguru-Comics als Online-Comic-Strip auf ZEIT ONLINE. Werktäglich erscheint ein neuer Strip, samstags sogar quasi als „Sonntagsseite“ in Farbe und umfangreicher. Dabei beleuchtet der Strip oft in durch die Protagonisten kommentierender Weise das aktuelle Zeitgeschehen. Ein sehr sympatischer Nebencharakter ist auch der Nachbar, der es immer wieder schafft, seine Tochter zu erschrecken. Die farbige Seite am Samstag bietet zum Teil etwas mehr Action, wenn Trump sich als Weltretter versteht oder ein völlig, naja sagen wir anderes Superhelden-Team gegründet wird.

Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel, der hier zeichnerisch nochmal eine Schippe auflegt, ergänzen sich prima. Die Strips sind sehr dynamisch gezeichnet und ich muss zugeben, dass mir die schwarz-weiß (mit grauer Schattierung) gehaltenen Ausgaben unter der Woche sogar etwas besser gefallen, als die farbigen Seiten vom Samstag. Ich bin absolut begeistert von dieser Comic-Serie und hoffe, dass sie viele Fans bekommt und noch eine ganze Weile bei ZEIT ONLINE erscheint. Die aktuelle Episode erscheint jeweils im Laufe des Morgens auf der Startseite, ein paar der Episoden davor gibt es auf einer Sammelseite zu lesen und alle weitern Ausgaben gibt es mit dem „Zeit+“-Zugang.

Natürlich hoffe ich auch hier auf einen Sammelband mit den Känguru-Comics. Da dieses Projekt durch die Vermittlung von Carlsen zustande kam, scheint diese Hoffnung bei genügend Material auch nicht ganz abwegig.


Bibliographische Vita

  • Bernd Kissel wurde 1978 in Saarbrücken geboren.
  • Seine öffentlichen Anfänge machte er bereits mit 14 Jahren (!) mit politischen Karikaturen für den Lokalteil der Saarbrücker Zeitung.
  • Nach dem Abitur erlernte er den Beruf des Trickfilmzeichners am „Lycée technique des Arts et Métiers“ in Luxemburg.
  • Anschließend wirkte Bernd als Background- und Propdesigner bei dem Luxemburger Trickfilmstudio „Studio 352“ an den Zeichentrickserien „Liberty’s Kids“, „Strawberry Shortcake“, „Kenny the Shark“ und „Sabrina: The Animated Series“ mit. Währenddessen war er ebenfalls Cartoonist für die Zeitschrift „Schrot & Korn“.
  • Ab 2007 kehrte Bernd zur Saarbrücker Zeitung zurück und veröffentlichte dort 100 Episoden der „SaarLegenden“, was zeitgleich seine erste fortlaufende Comicserie war. Diese ist in drei Alben im Geistkirch-Verlag erschienen, welche wiederum in einer Gesamtausgabe gesammelt erhältlich sind.
  • Im Jahr 2010 folgte ebenfalls für das Blatt die nächste Comicreihe mit Saarland-Bezug, „SaarlandAlbum“, welche wiederum als Album vom Geistkirch-Verlag veröffentlicht und 2015 sogar als Kurzfilm für den SR umgesetzt wurde. Im selben Jahr erschien im Cornelsen Verlag mit der Comicserie „Faim d’Histoire“, ein Lern-Comic für den Französisch-Unterricht.
  • 2012 wurde dies mit „HiStoryTime“ fortgesetzt, dieses Mal als Ausgabe für den Englisch-Unterricht. Ebenfalls 2012 erschien der von Bernd Kissel gezeichnete Online-Comic „Tödliches Wolfsrudel“ auf zdf.de, der die beiden Fernsehfilme „Mörderisches Wespennest“ und „Tod einer Brieftaube“ miteinander verbindet.
  • 2016 erschien dann der oben erwähnte Band „Münchhausen – Die Wahrheit übers Lügen“ beim Carlsen Verlag. Im selben Jahr erschien beim Geistkirch-Verlag der Band „Saarlouis – Im Fluss der Zeit“, der von Benedikt Loew getextet und von Bernd gezeichnet wurde.
  • Im Oktober 2019 erschien mit „Freistaat Flaschenhals“ eine weitere von Kissel gezeichnete Graphic Novel beim Carlsen Verlag, die von Marco Wiersch getextet wurde und auf die ich seit der Ankündigung sehr gespannt war. Ebenfalls Ende 2019 veröffentlichte der Conte-Verlag „Saarfari: Lilo und Olli auf Zeitreise“, ein Album des Historischen Museums Saar, das auf einem Entwurf Simon Matzerath beruht und von Angela Pfenninger getextet wurde.
  • Seit dem 1. Dezember 2020 erscheinen auf ZEIT-ONLINE die Känguru-Comics in Zusammenarbeit mit Marc-Uwe Kling.
SaarlandAlbum: Vokabeln | Bildquelle: http://bernd-kissel.com/saarlandalbum/

Quellen:

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