Interview

Die Hessische Schlümpp – Interview mit Sascha Ehlert

Sascha Ehlert hat aus den Schlümpfen die Schlümpp gemacht und ihenen damit Hessisch beigebracht. Wir haben uns mit ihm über seine Werdegang als Autor und seiner Arbeit an dem Band unterhalten.

Guten Tag, Sascha. 

Sascha Ehlert: 
Hallo Steffen! 

Wir wollen uns heute über deine Tätigkeit als Autor unterhalten und im speziellen auf deine Tätigkeit als Übersetzer der Schlümpfe ins Hessische eingehen. 

SE: 
Ei sischer! 

Dass bekannte Comicfiguren in Mundart übersetzt werden, hat ja schon ein wenig Tradition. Die Schlümpfe fehlten da noch. Du bist nun der erste, der die Schlümpfe in Mundart übersetzt hat – und zwar ins Hessische. 

Aber lass uns doch vorher kurz zu Dir kommen: Du bist freier Autor und hast einen eigenen Verlag. Seit wann bist Du als Autor tätig? Du bist, soweit ich weiß, Quereinsteiger. Du warst vorher Bauingenieur? 

SE: 
Ja, genau. Ursprünglich habe ich Bauingenieurwesen studiert und auch ca. 6 Jahre als Ingenieur gearbeitet. Ich wünschte, es wären nur 5 Jahre gewesen (lacht). Nein, als Autor zu arbeiten war immer mein Ziel. Ich schreibe, seitdem ich 16 Jahre alt bin. Das hauptberuflich machen zu können hat dann etwas gedauert. Seitdem habe ich Bücher und Hörspiele geschrieben, hier und da fürs Theater gearbeitet. Das sind dann die Auftragsarbeiten. Aber ursprünglich ist es tatsächlich so, dass ich mit dem Schreiben gar nichts zu tun hatte und Quereinsteiger war, wie du gesagt hast. 

Irgendwann hast du dann einen eigenen Verlag gegründet, den Titus Verlag. Seit wann gibt es den Verlag? 

SE: 
Genau. 2009 habe ich den Titus Verlag gemeinsam mit einem Freund gegründet. Er ist dann nach ein paar Jahren wieder in den IT-Bereich zurückgegangen. Er hat festgestellt, dass das doch nicht seine Welt war. Ich habe dann mit dem Verlag allein weiter gemacht.  

Der Titus Verlag war von Anfang an recht erfolgreich, da wir viele Auftragsarbeiten annehmen konnten. Wir haben im Auftrag Bücher veröffentlicht. Im Grunde waren und sind wir ein kleines Kreativbüro, das unter anderem auch Maskottchen kreiert und Illustrationen anbietet, die vom Buch bis zum Zeichentrickfilm eingesetzt werden. Bei uns sind viele Illustratoren und Autoren als Freelancer beschäftigt, was den Vorteil hat, dass wir ein Projekt komplett bei uns im Verlag betreuen können. Im Moment können wir uns da die Sahnestückchen aussuchen… 

Du hast eben eine perfekte Brücke geschlagen, weil Du Maskottchen angesprochen hast. Das bringt mich tatsächlich  zum Thema Comics, dem Du dich auch schon seit einer Weile widmest, oder? Du hast zum Beispiel mit unserem gemeinsamen Freund José (José Antonio Martin Vilchez) Cartoon Bücher im Eigenverlag veröffentlicht oder hast das Maskottchen Captain Ecki für das Tropical Island herausgebracht. Letzteres war allerdings ein Übersetzungsauftrag, oder? 

 SE: 
Bei Captain Ecki war es so, dass die Idee zur Figur von Tropical Island kam, wir mit ihnen in Zusammenarbeit aber verschiedene Entwürfe angefertigt haben. Im Endeffekt sind davon zwei Alben vom Titus Verlag herausgebracht worden. Es gibt aber noch viele andere Beispiele, bei denen wir Maskottchen erfunden oder aufgegriffen und weiterentwickelt haben. Zum Beispiel haben wir für Fraport den Fluggi weitergeführt und wir haben die Ampelinis gemacht, welche zur Verkehrserziehung genutzt werden. Mit José zusammen habe ich ein großes Projekt gestartet, was bis heute läuft: die Zahnindianer. 

Mit den Zahnindianern habt Ihr auch Lesungen in Kindergärten und Grundschulklassen angeboten, richtig? 

SE: 
Sehr viele Lesungen, ja. Mittlerweile komme ich auf etwa 600 Lesungen, grob geschätzt. Das hat sich über die letzten Jahre etwas verselbstständigt, sodass ich vor Corona etwa 150 Lesungen im Jahr gemacht habe. In Zeiten von Corona hat sich das stark reduziert. 

Ja klar, aber hier sehen wir hoffentlich ein Licht am Ende des Tunnels. Über eine Crowdfunding-Aktion habt Ihr dann das Stinkefingereinhorn ins Leben gerufen… 

SE: 
Ja, das Stinkefingereinhorn ist eher zufällig auf der Leipziger Buchmesse entstanden. Ich hatte mit José eine gemeinsame Signierstunde bei unseren Partnern von EFAG, die den Likör F***** vertreiben. Ich hatte für sie das Buch „F***** für’s Volk“ geschrieben. Das hat alles nichts mit Sex zu tun, sondern mit dem Schnaps (lacht). 

Jedenfalls saßen wir in dieser Signierstunde. José war als Zeichner engagiert, der mit seinen vielseitigen Zeichnungen die Besucher unterhalten sollte. Irgendwann stand eine Frau in der Schlange und wollte ein freches Einhorn gezeichnet haben. Also zeichnete José statt dem Horn einen Stinkefinger. Das kam so gut an, dass die nächsten in der Warteschlange auch dieses Einhorn wollten. 

Am nächsten Tag hatten wir das Stinkefingereinhorn als Referenz ausliegen und José hat den ganzen Tag nur diese Figur gezeichnet. Das kam also gut an. Somit hatten wir beschlossen, ein Buch über das Stinkefingereinhorn zu machen. Da wir wissen wollten, ob das auch außerhalb der Messe funktionieren kann, haben wir das per Crowdfunding gemacht. Heute gibt’s nicht nur die Bücher, sondern den Stinkefingereinhorn-Korn und die Stinkefingereinhorn-Schokolade. Da ist in den letzten zwei Jahren einiges passiert. 

Dann lass uns doch mal zu dem Werk kommen, über welches wir heute eigentlich sprechen wollen: „Die Schlümpp uff Hessisch 1: Blauschlümpp unn Schwazzschlümpp“. Wie kam es zum Kontakt zum Splitter-Verlag? 

SE: 
Das war eigentlich völlig ungeplant und Schicksal. Ich war 2013 oder 2014 wegen einem anderen Buchprojekt auf der Frankfurter Buchmesse. Mit José war ich dann zufällig am Stand vom Splitter-Verlag. José kannte Horst Gotta schon, der ja einer der Herausgeber ist, und hat mich ihm vorgestellt.

Damals waren die Schlümpfe gerade frisch ins Portfolio des Toonfish-Imprints aufgenommen worden. Aus einer Laune heraus hatte ich vorgeschlagen, dass man die Schlümpfe doch mal auf hessisch machen könnte. Horst war direkt begeistert von der Idee und wollte diese den Rechteinhabern IMPS in Belgien vorschlagen. Ich hatte 2-3 Seiten vorbereitet und ins Hessische übersetzt. Allerdings hat IMPS die Mundart-Version dann erstmal abgelehnt. Immerhin war die Zusammenarbeit frisch und musste sich erst einmal entwickeln. Damit ist die Idee zunächst mal in die Schublade gewandert. Ich habe dann auch nicht mehr daran gedacht. Klar, ab und zu habe ich mich an die hessischen Schlümpfe erinnert, aber eigentlich war die Idee damit durch. 

Sieben Jahre später bekam ich eine E-Mail vom Splitter Verlag, in der man auf die Idee von damals Bezug nahm. Die Umsetzung eines Mundart-Band hatte nun eine Freigabe vom Rechteinhaber bekommen. Ich habe umgehend zurückgerufen und dann ging es auch schon los. Nach drei Monaten war das Buch dann fertig und im Mai 2021 ist es nun erschienen. 

Ihr habt den Band „Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe“ umgesetzt. Wie kam es denn zur Geschichtenauswahl? Stand das bei Eurem damaligen ersten Versuch bereits fest? 

SE: 
Ja, wir haben bereits damals festgelegt auch mit dem ersten Band der Reihe zu starten. Von diesem Band hatte ich auch schon die ersten Seiten übersetzt. Als ich nach sieben Jahren diese Seiten erneut gelesen hatte, musste ich ehrlich gesagt selbst sehr lachen und hatte direkt wieder Lust, weiterzumachen. Dass es darin um eine Art Virus geht, der von einer Mücke übertragen wird, war absoluter Zufall da wir das eben damals schon festgelegt hatten. Die Parallele zur heutigen Situation ist mir auch erst beim weiteren Übersetzen aufgefallen. Damit war das ein glücklicher Zufall… 

Klar, so gesehen passt das dann natürlich super in die Zeit und gibt Hoffnung, dass das alles irgendwann mal überstanden sein wird. 

SE: 
Klar, Papa Schlumpf hat das Heilmittel gefunden. Und daran müssen wir uns halten. Papa Schlumpf weiß, wie’s geht (lacht). 

Ja, gut, wenn nur alles so einfach wäre… Vor dem Hintergrund, dass der Mundart-Band beim ersten Vorschlag damals abgelehnt wurde: Welche Auflagen gab es denn seitens des Rechteinhabers IMPS? 

SE: 
Eigentlich nicht wirklich viel. Es hieß nur, macht den Band auf hessisch (lacht). Ich hatte schon ein paar hessische Bücher geschrieben und war da geübt. Uns war auch klar, dass wir das Frankfurter Hessisch verwenden wollten, also das, was auch durch den Blauen Bock schon Tradition hat. 

Heinz Schenk wird ja im Buch auch erwähnt. 

SE: 
Ja. Es gibt viele andere hessische Dialekte, die kann man in dem Moment aber nicht alle bedienen. Der Nordhesse spricht teilweise eine komplett andere Sprache (lacht). Wenn man allgemein an Hessisch denkt, denkt man an Heinz Schenk. Das war unser Grundgedanke. Natürlich habe ich das Lokalkolorit, das hier vorherrscht, berücksichtigen wollen. Frankfurt, Offenbach, der Riederwald und der Edersee finden Erwähnung. 

IMPS hat uns nur vorgegeben, dass wir uns an die Ursprungsgeschichte halten und nichts dazu dichten. Wenn es in der Geschichte heißt „Geh nach links!“ und die Figur geht dann nach rechts, ist das natürlich Blödsinn. In Bezug auf Redewendungen ist man da allerdings völlig frei. 

Klar, es muss ja auch immer zur gezeichneten Szenerie passen, die in dem Fall ja nochmal deutlicher vorgegeben ist als in dem Moment, in dem Texter und Zeichner die Geschichte gemeinsam erarbeiten. 

Okay, Kleinigkeiten hast Du ja verändert, wie zum Beispiel, dass die Fliege aus Offenbach kommt. Im Original wurde ihr keine Herkunft gegeben, da war sie einfach da. Das ist allerdings dem schon erwähnten Lokalkolorit zuzuordnen und solange das für den Lizenzgeber passt… 

SE: 
Bisher war das Feedback, dass ich auf den Band bekommen habe, auch ein ausnahmslos positives. 

Wie schwer war es denn das Hessische, was sonst nur gesprochen wird, zu schreiben? 

SE: 
Wie gesagt, ich hatte schon mehrere hessische Bücher gemacht und habe mich mit dem Thema schon länger beschäftigt. Ich habe auch meinen eigenen hessischen Comic gezeichnet, obwohl ich eigentlich kein Zeichner bin. Aber ich habe es getan. Der Naumann Verlag war der erste Verlag, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Dort habe ich zwei Mundart-Bücher veröffentlicht: zum einen den selbst gezeichneten „Weihnachde – die Nerve liesche blank“ und dann, gemeinsam mit José „Single-Defekt: Partnersuche auf hessisch“. Dadurch hatte ich schon Übung und kannte mich mit dem Hessischen in Schriftform aus. So ein Schlumpf-Album bringt schon seinen eigenen Humor mit, aber durch die hessischen Redewendungen bekommt es noch eine weitere Humorebene. Es macht unglaublich Spaß, mit der Sprache zu spielen. 

Bei den Schwarzschlümpfen handelt es sich ja um eine Zombie-Analogie. Es war auch ein wunderschöner Kniff, dass die Schlümpfe, sobald sie dann gebissen und quasi Zombie-Schlümpfe sind, einfach die ganze Zeit „Blääd“ schreien, weil es eins der letzten Worte ist, was der Schlumpf sagt, bevor er gebissen wird? 

SE: 
So kann man es auch interpretieren. Hm, stimmt ja. Aber ganz ehrlich habe ich da gar nicht dran gedacht. Okay, das hast du jetzt rein interpretiert (lacht). Da hast Du Recht. Das muss mir merken, als Argument.  

Damit habe ich Dir ein Argument geliefert (lacht). Die nächste Frage kann ich Dir nur bedingt stellen, denn dazu müsste ich eigentlich auch den Verlag fragen. Aber vielleicht kannst du es ja trotzdem einschätzen. Sind weitere Mundart-Bände dieser Art geplant? Du kannst das vielleicht nur in Hinblick auf die hessischen Ausgaben beantworten… 

SE: 
Ich kann so viel sagen, dass es weitere Bände geben könnte, sobald sich abzeichnet, dass der hessische Band erfolgreich ist und dass die Leute so etwas wollen. Das Gespräch habe ich auch schon geführt. Wenn es weitergehen sollte, dann im Hessischen als auch in anderen Dialekten. Dieser Band ist jetzt erst mal ein Versuchsballon mit den Schlümpfen auf Hessisch. Was danach kommt ist abhängig vom Erfolg. 

Ja klar. Dann ist es dem Band Erfolg zu wünschen. Denn ich fand den Band durchweg lustig – auch wenn es (wieder) Seitenhiebe auf Offenbach gibt. Aber damit muss ich mich hier in der Region eben arrangieren (lacht). 

SE: 
(Lacht) Ich habe auch Verwandtschaft in Offenbach. Die bekommt hier ordentlich einen abgewatscht…  

Ah, daher kommt das (lacht). Alles gut. So ist das ist eben. Aber das lernt man hier mit als erstes. 

SE: 
Das ja auch nicht bös gemeint, es geht ja in beide Richtungen. Lokalkolorit eben. 

Na klar. Zum Schluss würde mich noch interessieren: Was können wir von dir persönlich als nächstes erwarten? 

SE: 
Also zum einen ist da das Stinkefingereinhorn als fester Bestandteil meiner Arbeit. Damit geht’s immer weiter. Wir haben so viele Pläne mit dem Stinkefingereinhorn. Wir hoffen auch, dass es recht bald wieder losgeht mit Messen und mit Festivals, auf denen wir das Stinkefinger Einhorn präsentieren können. Denn es gibt ein lebensgroßes Stinkefingereinhorn als Walking Act und das möchten wir gerne auf Messen und Veranstaltungen sehen. 

Bei den Zahn-Indianern haben wir mittlerweile 15 Bücher und 12 Trickfilme gemacht, auch da soll es weitergehen. Die sind ebenfalls fester Bestandteil. 

Grundsätzlich bleiben die wechselnden Auftragsarbeiten, die wir im Verlag betreuen. Im Moment arbeite ich als Autor an verschiedenen Biografien von Prominenten. Diese sollen bis Ende des Jahres erscheinen. 

Was mich persönlich und wahrscheinlich auch unseren Freund, den Marshall noch brennend interessiert:  Wird es einen dritten Band von Captain Ecki geben? 

SE: 
Bist Du so ein großer Captain Ecki – Fan? 

(Lacht) Ich finde solche Werbe-Maskottchen großartig. Die mochte ich schon immer, also schon zu Zeiten von Kaba oder Knax. Wenn so eine Figur dann ihren eigenen Comic bekommt, bin ich dabei. Und ich liebe den franko belgischen Funny-Stil.  

SE: 
Captain Ecki ist ja Eigentum von Tropical Islands. Die Entscheidung liegt also bei denen. Auch dort musste man während Corona alles etwas herunterfahren und die Prioritäten anders gewichten. Da kann ich Dir leider auch nichts Näheres sagen… 

Ja, na klar. Lieber Sascha, vielen Dank für deine Zeit und ich wünsche euch viel, viel Erfolg mit dene hessische Schlümpp. Es bleibt zu hoffen, dass der erste Band gut ankommt und dann weitere Bände folgen. Vielen Dank für das Gespräch.  

Sascha Ehlert: 
Sehr Gerne. 

Die Schlümpp uff Hessisch 1: Blauschlümpp unn Schwazzschlümpp

Splitter-Verlag / 64 Seiten – Hardcover / 13,95 EUR

Szenario: Peyo & Delporte / Zeichnung: Peyo / Übersetzg.: Sascha Ehlert

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