Rezensionen

„Die Schlümpp uff Hessisch 1: Blauschlümpp unn Schwazzschlümpp“ (Splitter-Verlag)

„Die Schlümpfe auf Hessisch, braucht man das?“ Diese Frage stellte ich mir bei den Schlümpfen nicht zum ersten Mal, denn schließlich haben Mundart-Bände bereits eine kleine Tradition. Bei Egmont sind bereits Asterix-Alben in Mundart erschienen und Lustige Taschenbücher ebenso.

Nun legt der Splitter-Verlag in seinem Toonfish-Label mit den Schlümpfen nach und präsentiert uns „Die Schlümpp uff Hessisch 1: Blauschlümpp unn Schwazzschlümpp“. Die Schlümpfe, die in jeder Sprache anders heißen, bekommen auch in der Mundart ihren eigenen Namen: Die Schlümpp. Tatsächlich ist hier alles in hessisch geschrieben, sogar das Impressum.

Auf den Inhalt des Bandes muss ich – denke ich – nicht näher eingehen. Man hat sich entschieden auch die Mundart-Reihe mit dem ersten Album der Schlümpfe zu starten. Dazu hat Autor Sascha Ehlert „Die Schlümpfe – Band 1: Blauschlümpfe und Schwarzschlümpfe“ ins Hessische übertragen, genauer ins Frankfurter Hessisch, was durch den „Blauen Bock“ zum Vorzeige-Hessisch wurde, wie uns Sascha in unserem Interview erklärt.

Um die Frage eingangs zu beantworten: Diese erübrigt sich, sobald man sich in den Band einliest. Die sowieso schon humorvollen Geschichten der Schlümpfe bekommen durch den Dialekt tatsächlich noch eine Humor-Ebene mehr spendiert und das funktioniert prima. Zumindest bei mir. Ich lebe mittlerweile seit knapp 20 Jahren in Offenbach. Ob das Hessische auch in anderen Regionen funktioniert, müssen andere beurteilen.

Wenn ich was zu kritisieren habe, dann die Tatsache dass sich Ehlert hier zu sehr alten Klischees bedient und (mal wieder) Offenbach einen einschenkt. Denn die zombifizierende Mücke, die blaue in schwarze Schlümpfe verwandelt, kommt aus Offenbach. Im Original hatte sie keine Herkunft, da war sie einfach da. Das kann man nun auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlich Richtungen interpretieren, umso mehr man darüber nachdenkt. Ob das von Ehlert diskriminierend gemeint war? Laut unserem Interview nicht, aber man kann es eben durchaus so interpretieren und dessen sollten sich der Autor, als auch der Verlag bewusst sein. Für Sascha Ehlert ist das mit Lokalkolorit gerechtfertigt. Okay.

Auch, ob das Thema der Zombie-Schlümpfe für die Zeit der Pandemie die beste Wahl war, kann man von mehreren Seiten betrachten. Ehlert selbst sieht es als glücklichen Zufall, der schon lange feststand (auch hier empfehle ich unser Interview mit ihm).

Wenn ich die im Band enthalten Geschichten also in ein Ranking packen würde, landet die Hauptgeschichte „Blauschlümpp unn Schwazzschlümpp“ auf dem letzten Platz, was an den oben geschilderten Kritikpunkten liegen mag. Schließlich ist Humor auch subjektiv. Am meisten hat mich hier noch der (wie uns Sascha verriet ungewollte) Kniff abgeholt, dass die Schlümpfe, einmal gebissen, nur noch „Blääd!“ rufen, eins der letzten Worte, dass der durch die Fliege infizierte Schlumpf vor dem Biss zur Fliege sagte. An Stelle zwei kommt „De flieschende Schlumpp“, denn die Geschichte zieht sich und wiederholt die Gags etwas zu oft, was aber schon im Original so war. Ehlert holt da noch das Beste raus. „De Schlumpp hinner Giddern“ landet bei mir persönlich auf Platz eins, was wiederum am Mitwirken von Zauberer Gargamel und dessen Kater Azrael liegen dürfte. Tatsächlich hätte ich mir eine modernere Auswahl als Startband gewünscht, da die Geschichten doch sehr in die Zeit gekommen sind.

Von den Kritikpunkten abgesehen fühlte ich mich von dem Band wirklich sehr gut unterhalten und kann jedem, der hessisch kann oder es lernen möchte, einen Blick empfehlen. Ich bin gespannt auf weitere Mundart-Ausgaben der Schlümpfe. Wie diese dann in Berlin, Bayern oder Sachsen heißen, wird sich vielleicht bald zeigen, wenn der Band erfolgreich ist.

Die Schlümpp uff Hessisch 1: Blauschlümpp unn Schwazzschlümpp

Splitter-Verlag / 64 Seiten – Hardcover / 13,95 EUR

Szenario: Peyo & Delporte / Zeichnung: Peyo / Übersetzg.: Sascha Ehlert

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