Rezensionen

Der Augensammler (Splitter Verlag)

Der Augensammler (Splitter) | Szenario: Sebastian Fitzek, Frank Schmolke | Zeichnung: Frank Schmolke | 200 Seiten – Hardcover (Bookformat) | 35,00 EUR

Ich habe die Comicadaption von „Sebastian Fitzek – Der Augensammler“ gelesen – und bin etwas zwiegespalten.

Frank Schmolke fängt in seinen Bildern das heruntergekommene Berlin der Vorlage ein. Die Locations werden oft trostlos und entsättigt dargestellt. Was Fitzek in seinen Büchern oft detailliert darstellt muss hier in den Zeichnungen transportiert werden. Dabei wird die Vorlage zwar leicht entschärft löst aber teilweise doch genug Unbehagen aus.

Das für mich größte Problem ist aber die Story. Die Story und die Charaktere könnten klischeehafter nicht sein. Ein geschiedener Ex Cop jagt jetzt als Journalist den Augensammler. Einen Killer der Frauen tötet, dann ihr Kind entführt und 45 Stunden und 7 Minuten später das Auge des Kindes entfernt um diese anschließend zu ertränken. Unser „sympathischer“ Held, der nebenbei heimlich den Polizeifunk abhört und so oft als einer der ersten am Tatort ist, manövriert sich dann recht bald ins Chaos.

Ich werde vermutlich kein Fan mehr von Fitzek. Mein einziger Kontakt zu Fitzek bis dahin war die Adaption zu „Abgeschnitten“, auch wenn ich die Story in Ansätzen interessant fand, suhlte man sich auch da ein wenig zu sehr in menschlichen Abgründen, provozierte gerne und schrieb unnötig reißerisch. Da werden Journalisten bei Verhören gefoltert. Das zieht sich auch durch die Adaption des Augensammlers. Der Ehemann einer ermordeten Frau sieht einen Porno von ihr, dabei sagt er im Verhör, dass ihm egal was mit dem Kind passiert, weil es nicht seins ist. Man merkt es fällt mir hier schwer einen sympathischen Charakter zu finden.

Nicht nur unser „Held“ ist recht unsympathisch geschrieben und handelt selten nachvollziehbar. Er manövriert sich immer richtig ins Chaos. Viele Nebencharaktere wirken wie ein Mittel das Ganze nochmal unnötig düsterer zu machen. Eigentlich genau die Art Story die ich mag. Doch hier ist mir das zu drüber und klischeehaft geschrieben. So klischeehaft, dass die Charaktere für mich selten greifbar sind. Erschwerend kommt hinzu das sich die Story gehetzt anfühlt. Die Entwicklungen sind nicht immer nachvollziehbar. Gerade als man dann denkt man wüsste, wie es läuft, ist der Comic vorbei. Der Finale Twist am Schluss mündet in ein offenes Ende, das verwirren kann. Die Recherche hat dann ergeben das das nicht ohne Grund so ist. Die Story wird mit „Der Augenjäger“ noch fortgeführt werden.


Fazit

Sebastian Fitzek Fans bekommen in abgemilderter Form eine Adaption, die sich trotz meiner vielen Kritikpunkte flüssig liest. Die DNS der Bücher wurde von Frank Schmolke stimmig in ein Comicformat übertragen. Fitzek Neulinge wie mich wird dieser Band aber etwas verwirrt zurücklassen. Gerade in psychologischer Hinsicht wäre da mehr drin gewesen. Ich wollte diese Adaption mögen, aber irgendwo fehlte da der letzte Funke. Vieles fühlte sich wie aus der Luft gegriffen an. Die Charaktere waren fast alle Abziehbilder. So fühlte ich mich, als hätte ich die Pilotfolge einer düsteren Crime Serie geschaut.


Der Titel kann hier käuflich erworben werden:

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